Dienstag, 15. Mai 2012


Montag 7. Mai 2012 – Cusco zum Ersten, die Abzocke beginnt

Für schlappe 60 Dollar(was für peruanische Verhältnisse ein irrwitziger Betrag ist) nehmen wir uns wie erwähnt ein Hotel in der Nähe des Zentrums von Cusco. Diese Stadt ist wunderschön, mit einem herrlichen Zentrumsplatz und liegt auf rund 3‘400 Metern über Meer. Das interessiert uns aber an diesem Tag alles nicht, denn wir wollen uns nur noch von den Strapazen der letzten Tage erholen, unsere Wäsche waschen lassen, die Batterien aufladen… als wir am späteren Nachmittag das Hotel verlassen um uns noch etwas die Stadt anzusehen, teilt uns die Schnepfe der Rezeption mit, dass wir morgen das Zimmer zu räumen haben, da das Hotel da ausgebucht ist. Was? Noch alle Tassen im Schrank oder was? Vermutlich kommt eine gut bezahlende russische Reisegruppe, die uns natürlich vorgezogen wird. Beim Einchecken für 2 Nächte hat uns dies aber niemand gesagt – janu, wir waren das erste Mal sauer auf dieses Hotel und es war nicht das letzte Mal… jedoch fokussieren wir uns auf die positiven Dinge! Folglich stellen wir unsere Pläne um. Wir buchen für den Folgetag die Zugsreise von Cusco (bzw. Poroj) nach Machu Picchu (bzw. Aqua Callientes) und wollen das Abenteuer Machu Picchu in Angriff nehmen. Die Zugsfahrt (Hin- und Zurück) hinterlässt mit gut 270 Dollar einen ziemlich teuren Eindruck, und schon fühlen wir uns das erste Mal wie eine touristische fette Gans, die langsam aber sicher gerupft und ausgenommen wird.

Da nun leider wieder nichts mit richtiger Entspannung war, gönnen wir uns zumindest am Abend mal ein herrliches Abendessen. So verlassen wir uns auf unseren Reiseführer und steuern zielsicher eine wiederum hoch touristische Beiz an. Wir wollen es richtig krachen lassen und schnappen uns die Grillplatte des Hauses und dazu eine leckere Flasche argentinischen Rotwein. Auf der Grillplatte befindet sich das erste Cuy (Meerschweinchen), welches kross gebraten sehnsüchtig auf seinen Verzehr wartet. Bevor wir es anstechen geben wir ihm noch den liebevollen Namen Knuspi und los geht’s. Obwohl alles auf dieser Platte wirklich herrlich ist, rangiert Knuspi deutlich unter unseren Erwartungen. Vielleicht liegt es an der Zubereitung, vielleicht aber auch simpel daran, dass es unseren Geschmack nicht richtig treffen mag. Nun, wir werden sicher dieser Delikatesse noch eine zweite Chance geben, brauchen aber noch eine gewisse Zeit dafür. Mit vollgeframsten Wänsten spazieren wir gemütlich zurück in unser Hotel und müssen leider schon wieder packen, denn am Folgetag geht’s ja bereits weiter.

Dienstag, 8. Mai 2012 – Reise nach Machu Picchu und das Tämeli macht schlapp

Bereits um 5.30 Uhr klingelt unser Handy-Wecker. Schon leicht genervt über das Hotel stehen wir auf, packen die letzten Sachen und wollen dieses Etablissement mit brachialen Rationen bei Morgenessen schädigen. Alsdann checken wir aus und regen uns das nächste Mal auf, aber wir verzichten hier auf nähere Beschreibung. Kurz darauf sitzen wir in einem Taxi, das uns nach Poroj bringt, wo der Zug Richtung Aqua Callientes losfährt. Aqua Callientes ist eigentlich das Dorf Machu Picchu, jedoch verstehen wir alle darunter eigentlich die Inka-Anlage auf dem Hügel. Egal, die Zugsfahrt ist sehr schön und geht entlang dem Urubamba River. Für die rund 100 Kilometer brauchen wir satte 3 Stunden… ja, man darf dies nicht mit europäischen Hochleistungszügen vergleichen. Denn schliesslich geht es hier auch noch etwas um Entertainment. So werden beispielsweise vom Zugspersonal während der Reise noch einheimisches Kunsthandwerk und Fotobänder angeboten. In Aqua Callientes angekommen, macht sich Knuspi vom Vorabend bei Tämeli bemerkbar. Sie kriegt ein ungutes Gefühl im Bauch, schenkt dem aber vorerst keine grosse Beachtung. Doch bereits als sie sich auf das erstbeste Hostal stürzt, ohne Vergleich und ohne irgendwas, wird mir bewusst, sie braucht dringend eine Toilette und dringend ein Bett. Das nutzt natürlich der Hostal Betreiber aus, und gibt uns das mit Abstand schäbigste Zimmer, das wir je gesehen haben und dies zum einem sehr stolzen Preis. Nun, wir haben weder Zeit noch Kraft, uns dagegen zu wehren. Tämi krümmt sich mittlerweile von Bauchkrämpfen, wird im Gesicht weisser als das cremefarbene Leintuch auf dem dreckigen Bett und hat fiebrige Augen. Das Fiebermesser bestätigt, was ich vermutet hatte, Tämi geht’s nicht gut. Das Dreckloch (und das ist wirklich noch schmeichelhaft) haben wir gerade für zwei Nächte gemietet, da wir ja am Folgetag auf den Machu Picchu wollen, sofern es meiner Götter-Ehefrau besser geht. Tämi schläft sofort ein und ich versuche, alles für den Ausflug am Tag darauf zu organisieren. Meine Berufswahl und mein Naturell kommen mir schon wieder in die Quere. Für das Eintrittsticket auf den Machu Picchu sind satte 130 Soles (ca. 45 Dollar) zu berappen. Pro Person versteht sich. Damit ist man zwar oben auf dem Berg zum Eintritt berechtigt, nur ist man eben noch nicht oben auf dem Berg. Das heisst, zusätzlich muss auch noch ein Bus-Ticket gekauft werden für 17 Dollar pro Person. Nun denn, zähneknirschend und auf Berndeutsch fluchend berappe ich den Mist und gehe zum Markt, wo ich gleich wieder abgezockt werde. Ein paar Früchte, etwas Wasser und ein paar Cracker (zur Stärkung meiner kranken Ehe-Maus), kosten trotz vehementen Verhandlungsversuchen mehr als in anderen Orten eine Übernachtung. Okay, sage ich mir, ich muss das für den Moment vergessen und mich wiederum als Gans betrachten, die jetzt einfach gerupft wird – fertig! Zurück im Zimmer müssen wir uns um das Ehetämeli kümmern. Bananen, Wasser und etwas Chemie sollen helfen… und das tun sie auch. Sobald der Körper richtig durchgespült wurde, kommt die Farbe allmählich zurück in ihr wunderschönes Gesicht. Zum Glück, ich bin heilfroh… und zu meiner grossen Überraschung will sie bereits in den Abendstunden wieder etwas essen gehen. Natürlich, sehr gerne! Es gibt in diesem Dorf aktuell wohl mehr Restaurants als Einwohner bzw. Touristen – alle Beizen sind leer und locken mit Sonderangeboten. Wir fallen natürlich wieder darauf rein. Zwar ist das Essen lecker, und der Preis ist tatsächlich nur die Hälfte von dem, was auf der Karte steht. Dafür wird ungefragt eine Service-Tax auf die Rechnung geschlagen, die dies alles locker wieder wett macht. Langsam bin ich richtig sauer – stinkesauer und finde es unter dem Strich nur noch eine Frechheit. Zurück in unserem Dreckloch platzt mir vollends der Kragen – und Tämi schläft bereits. Ich jedoch spüre die Milben und anderes Getier über meine Haut krabbeln und bringe kein Auge zu. Nein, denke ich mir, so geht das nicht – es braucht ein Planänderung und zwar sofort!

Mittwoch, 9. Mai 2012 – Machu Picchu und der imaginäre Stinkfinger nach Aqua Callientes

Um 5 Uhr geht der Wecker – ojeh, ich beginne fast jeden Tag mit einem solchen Satz, wer glaubt dabei noch an Ferien? – und um 5 Uhr 30 geht der Bus hoch Richtung Machu Picchu. Wir Naivchen denken, dass wir hier mit ein paar Anderen wohl die ersten auf diesem Berg sein werden und somit den mystischen Tagesanbruch erleben können. Tja, so kann man sich täuschen. Bereits um diese frühe Morgenzeit stehen hunderte – allen voran Amerikaner – Schlange um einen der ersten 22 Busse zu erwischen, die auf den Berg fahren. Wir erwischen dank intensivem Ellenbogen-Einsatz Bus Nummer 9 und sind 15 Minuten später oben beim Haupteingang… dort warten aber bereits weitere hunderte von Inka-Hungrigen und irgendwann sind endlich auch wir an der Reihe. Obwohl wir uns sehr auf die Inka-Stadt und die Geschichte darum freuen, stossen wir uns sehr an den Umständen drum herum. Ein älterer Kalifornier, den wir im späteren Verlauf des Tages kennenlernen, beschreibt das Treiben hier wie Disneyland auf Kokain – und das trifft es ziemlich präzise. Nun endlich, endlich stehen wir ganz oben, dort wo man einen herrlichen Blick auf die ganze Anlage hat. Es ist in der Tat mystisch und atemberaubend. Drum herum Dschungel und mitten drauf eine imposante, ausgeklügelte Stadt. Bis heute ist man sich nicht sicher, war es eine Festung? Gar ein Gefängnis? Ein Palastanlage?... die Geschichten darum könnten vielfältiger nicht sein. Fakt ist, dass um 1911 ein Amerikaner Namens Bingham der Welt Machu Picchu bei seiner Expedition näher gebracht und dokumentiert hat. Was aber in den 200 Kisten war, die er von dort hat wegschaffen lassen und von denen bis heute jede Spur fehlt, bleibt wohl ein Geheimnis. Wir sind wirklich begeistert, geniessen den Rundgang und staunen immer wieder über die ausgeklügelte Bautechnik, die bereits vor so langer Zeit zur Anwendung kam. Nach 4 Stunden Besichtigung und gut 300 geschossenen Bildern haben wir genug. Vermutlich ist auch die Schwächung von meiner Ehefrau mit ein Grund, dass wir gesehen haben, was wir wollten und dies sogar bei ganz unterschiedlichen Stimmungen (mit Nebelschwaden aber auch bei Sonne). 

Per Bus geht es wieder Richtung Dorf und dort angekommen schaudert es mich, wenn ich an unser Dreckloch denke. Die Toilette betreten wir nur mit Schuhen – wer weiss, was uns hier aus dem Hinterhalt in die Zehen beissen könnte. Nein, so geht es nicht, Ferien und Unkompliziertheit hin oder her – so nicht! Mit öis nöd! Und so gehen wir an den Bahnhof und wollen unser Zugsticket für den Folgetag auf den heutigen Tag umbuchen lassen. Ich hätte sogar auf Knien gewinselt, dass ich hier wieder weg darf, aber der Charme meiner wiedererstarkten Ehefrau war ausreichend, dass wir – natürlich für ein Aufgeld – den Zug umbuchen konnten. Von da an schien für mich wieder die Sonne. Ich fand es einfach nur noch wunderbar zu wissen, dass die Milben in unserem Bett sich zu früh auf eine erneute Mahlzeit aus der Schweiz gefreut haben!
Um 16.42 fährt der Zug pünktlich los, zurück Richtung Poroj / Cusco und ich bringe das Lächeln nicht mehr von meinem Gesicht weg und bin meiner Frau unendlich dankbar für das Verständnis und diesen Einsatz!
Einen Tag früher als geplant sind wir wieder in Cusco angekommen, jedoch noch ohne Unterkunft und langsam aber sicher mit hungrigem Magen. Und als wäre es eine Entschädigung für die erlebten Qualen, finden wir für einen sehr moderaten Preis in einer kleinen Seitenstrasse eine wunderbare Pension. Alles drin, alles dabei, sauber, freundlich, riecht gut, ist gut, mit Handtüchern und Toilettenpapier – Herz, was willst du mehr? Ich bin glücklich – sehr sogar – und meine Frau hungrig. Und wer sie kennt weiss, jetzt ist Handeln gefragt. Da wir in Aqua Callientes wegen des desaströsen Badezimmers uns nicht getraut haben zu duschen, stinken wir zwar, doch jetzt muss gehandelt werden. So gehen wir aus der Pension raus und direkt über die Strasse finden wir ein Restaurant, welches in der Tat Gault Millaut Status hat. Zwar schämen wir uns etwas, in unserer Aufmachung dort rein zu gehen, aber wie gesagt, Handeln ist gefragt. So schlemmen wir und trinken lecker Wein, wunderbar. Ein wirklicher Tipp für jeden Cusco Besucher! Mit vollen Bäuchen gehen wir zurück in unser Zimmer und freuen uns sehr, dass morgen endlich einmal Ausschlafen auf dem Programm steht und dazu noch ein Tag komplett ohne Programm. 

Donnerstag, 10. Mai 2012 – Cusco zum 2. und diesmal viel, viel besser!

Nein, heute beginnt unsere Reiseerzählung nicht mit dem Weckruf des Handys, sondern wir konnten einfach ganz genüsslich und gemütlich ausschlafen. Da wir aber jeweils am Abend ziemlich zeitig ins Bett gehen, fällt uns eigentlich das Aufstehen auch nicht besonders schwer. Das Hostel Santa Maria an der Santa Catalina Angosta ist wirklich ein absoluter Glücksgriff. Selbst die Disco, die sich direkt unter unserem Zimmer befindet, stört uns nicht. Im Gegenteil, munter wippen wir in unserem Bett hin und her und freuen uns über die kostenlose Unterhaltung. Das Frühstück ist zwar nicht besonders reichhaltig aber dafür kommt es wirklich von Herzen und wird mit Charme serviert. 

Frisch gestärkt nehmen wir es heute einfach gemütlich. Zum einen schreiben wir etwas am Reisebericht, geniessen den Internetzugang und machen uns ein paar Gedanken über die weitere Reise. Tämi ist so geschafft von den letzten Tagen und wohl auch noch von ihrem kurzen Aussetzer, dass sie in null Komma nichts auf dem Sofa im Aufenthaltsbereich einschläft. Es sei ihr gegönnt und die Sonne wärmt den Raum so wunderbar, dass auch ich fast ein bisschen schläfrig geworden bin. Abhilfe schaffen da ein paar knackige Kommentare in unserem Reisetagebuch. An dieser Stelle möchten wir uns überdies auch ganz herzlich für die lieben und zahlreichen Kommentare in unserem Gästebuch bedanken. Wir geniessen diese kleinen Botschaften aus der Heimat sehr und möchten auf gar keinen Fall – auch in der Zukunft – darauf verzichten! Habt vielen Dank!!

Das Wetter in Cusco ist strahlend, die Temperatur angenehm und als wir unser Hostal gegen die Mittagszeit für einen Stadtbummel verlassen, wünscht uns sogar das Reinigungspersonal einen wunderschönen Tag. Es ist herrlich und spannend, wie eine freundliche Umgebung den Tag beeinflussen kann. Sofort montieren wir die Sonnenbrille und machen uns zu Fuss auf, diese wunderschöne Stadt zu erkunden. Es gibt fast keine Worte, die diesem schmucken Ort treffend beschreiben. Man müsste es schon fast selber erlebt haben. Hoffentlich können die Bilder unsere Eindrücke etwas wiedergeben. Wir schlendern durch die malerischen Gassen, gönnen uns ab und an eine Leckerei und machen Fotos ohne Ende. Herrlich, wir lassen uns richtig treiben…. Bis es uns in eine kleine Modeboutique treibt. Die besagte Boutique ist spezialisiert auf Alpaca Kleidung – der absolute Renner in der hiesigen Bekleidung. Alpaca ist dem Lama sehr ähnlich und dessen Fell wird zu Wolle gesponnen, woraus sehr hochwertige Damen sowie Herrenkleider hergestellt werden. Wenn man dem ganzen noch das Krönchen aufsetzen will, dann wählt man Baby-Alpaca. Das soll noch feiner und noch edler sein – in jedem Fall aber noch teurer. Die beste aller Ehefrauen (aus meiner Sicht natürlich) pflegt stets gegenüber teuren Sachen sehr nüchtern zu reagieren… bis auf ein ganz bestimmtes Stück eben in dieser Boutique. Ein bezaubernder schwarzer Umhang, modern, elegant, leicht tailliert, verführerisch und wunderbar. Als wäre Tämeli mit ihrer bezaubernden Figur Modell für diesen Umhang gestanden. Bereits der Ausdruck in ihrem Gesicht verriet mir, hier ist Hopfen und Malz verloren und das Teil wird unweigerlich unser Reisebudget zusätzlich strapazieren… mit rationalen Argumenten versuchte ich dagegen anzugehen, stand aber – wie erwartet – auf enorm aussichtslosem Posten. Nachdem uns die Dame den Preis genannt hat und wir wieder aus dem Koma erwacht waren, versuchten wir zu Handeln. Ob unserem Angebot konnte sie nur charmant lächeln und sagte trocken: no! Gut, wir zogen wieder von Dannen und dachten uns, es ist besser so…. Irrtum, das waren nur meine Gedanken, nicht aber die der anderen Hälfte unserer Reisegruppe. Wer könnte einem so tollen Geschöpf etwas abschlagen? Und so sind wir nach einem grossen Spaziergang wieder in dieser Boutique gelandet, wo uns die Dame – so vermuten wir – bereits erwartet hat! Meine Frau hüllt sich ab heute in Baby-Alpaca, ich Glückspilz. 

Meine Belohnung erhielt ich dann am Abend – nein, nicht was ihr denkt, sondern wir gingen absolut lecker essen. Wieder in dasselbe Restaurant wie am Vorabend, genannt Incanto an derselben Strasse wie unser Hostal. Wiederum war es herrlich, der Malbec mundete sogar meiner Ehefrau und das Passion Fruit Semifreddo zum Dessert war genau so der Traum wie alles andere. Leute, wenn ihr mal in Cusco seid, dann solltet ihr unbedingt dieses Restaurant aufsuchen, die etwas gehoberen Preise lohnen sich in jedem Fall!!!

Freitag, 11. Mai 2012 – Cusco zum Letzten!

Okay, der Tag heute steht bereits im Zeichen der Weiterreise nach Puno, unserer ersten Station am Titicacasee auf 3‘800 Meter über Meer. Unsere Abfahrt mit dem Bus ist erst um 22 Uhr abends und so haben wir noch den gesamten Tag zum Genuss unserer Ferien zur Verfügung. Und dies machen wir auch. Cusco lacht uns wieder mit einem strahlenden Tag entgegen. Ganz gemütlich setzen wir uns auf eine der zahlreichen Bänke auf dem Zentrumsplatz (Plaza de Armas) und geniessen das emsige Treiben. Ein Bisschen lesen, etwas gucken, etwas lästern, etwas blödeln… einfach herrlich. Und kurz vor Mittagszeit stellen wir uns die kritische Frage, ob es denn für einen Pisco Sour noch zu früh sei? Nein, sind wir uns schnell einig und wählen einen Balkon in einem Pub aus, von welchem wir eine herrliche Sicht auf den Zentrumsplatz haben. Lesen und Reisebericht schreiben geniessen wir hier oben, bis es uns etwas zu heiss wird. Vom einen Balkon aus evaluieren wir den nächsten Balkon, wo wir uns niederlassen, bestellen die nächsten Pisco Sour und freuen uns des Lebens. An alle mitlesenden Mütter: es ist nicht so schlimm, wie es scheint, wir versuchen nur die optimale Vorbereitung auf die bevorstehende lange Übernacht-Busfahrt zu treffen – aus Erfahrung wissen wir, die sind nicht ohne…!  

Mit Transzuela probieren wir heute eine neue Busgesellschaft aus. Auch diese verspricht bei den Premium-Plätzen eine fast waagerechte Position, die eine Entspannung bieten soll nahe dem eigenen Bett. Nun, da wir ja mittlerweilen keine absoluten Greenhorns mehr sind, glauben wir auch nicht jeden Werbespruch, der uns eingeflösst wird. Aber wir wollen nicht moffeln…

Samstag, 12. Mai 2012 – Puno und der erste Blick auf den Titicacasee

Am Morgen kurz vor 5 Uhr kommen wir in Puno an. Die Reise mit Transzuela war erwartungsgemäss… leider stellten wir uns auf eine sehr kühle Nacht ein, da die meisten Reisecars mittels Aircondition gekühlt werden ohne Ende. Mit zwei Pullovern, ebenfalls deren 2 Unterhemden, langen Unterhosen und einem Windstopper setzten wir uns als wandelnde Textilklumpen auf unsere Sessel. Transzuela pflegt aber ihre Busse zu heizen und innert kurzer Frist herrschten in unserem Gefährt stolze 26 Grad… in der Badehose ist das ja kein Problem… nun, egal, wir kamen gut in Puno an. Jedoch ist es einfach eine Illusion, dass man entspannt nach einer Nachtfahrt mit dem Bus irgendwo ankommt.

Puno liegt direkt am nordwestlichen Zipfel des Titicacasees, ebenfalls auf 3‘800 Metern Höhe. Bei unserer Ankunft ist es 4.45 Uhr und die kleine Stadt ist noch nicht erwacht. Mittels Taxi fahren wir zu einem mittelprächtigen Hotel, wo wir für fast nix übernachten können. Das schöne ist, dass wir das Zimmer bereits beziehen können und so hauen wir uns noch ein paar Stunden aufs Ohr. Am Nachmittag erkunden wir den Ort auf eigene Faust, welcher keine sagenhaften Attraktionen zu bieten hat. Dennoch geniessen wir es sehr und setzen und bei Sonnenschein auf den Plaza de Armas und lesen etwas. Am späteren Nachmittag haben wir uns noch einen Trip auf die „schwimmenden“ Inseln Uros gebucht. Mit dem Touriboot fahren wir ca. 40 Minuten raus auf den Titicacasee und besuchen dort – natürlich gegen Gebühr – vier Familien, die auf diesen schwimmenden Inseln leben. Auf einer torfähnlichen Unterlage stapeln sie kreuz und quer Schilf und das ganze wird ca. 3 Meter hoch… und schwimmt tatsächlich. Jeder Schritt flutscht ein wenig, der Boden gibt tatsächlich nach und irgendwie ist es uns gar nicht geheuer. Nebst dem, dass es natürlich hochgradig touristisch ist und die Einwohner uns und den täglich wohl anderen 1‘200 Touristen sämtliche Dinge verkaufen wollen, die eh keiner haben will. Bei der Feuchtigkeit, bei der Kälte und bei all den Viechern (zumindest die, die wir gesehen haben), sind wir froh, nicht hier übernachten zu müssen. Dennoch gibt es tatsächlich ein paar Wagemutige, die dies auf sich nehmen und in einer schwimmenden Hütte übernachten.
Um ehrlich zu sein, benutzen wir Puno nur als Zwischenstopp auf unserer Reise nach Bolivien. Insofern haben wir von diesem Ort auch nicht allzu viel erwartet und genau dies hat er auch erfüllt. Am Abend gehen wir noch ein lecker Ceviche Trucha essen (rohe Forelle aus dem See, mariniert und äusserst lecker), bevor wir bereits früh zu Bett gehen.

Sonntag, 13. Mai 2012 – Bolivien wir kommen

Endlich haben wir uns mal eine Busfahrt bei Tageslicht gebucht. Zwar hiess dies für uns wieder früh aufstehen, denn es empfiehlt sich, die Grenze zwischen Peru und Bolivien vor der Mittagszeit zu erreichen, sonst muss man eine Mittagspause lang warten, was in diesen Breitengraden ziemlich lange dauern kann. Janu, so stellen wir mal wieder unseren Wecker, nehmen noch ein karges Frühstück zu uns und verschieben zum Busterminal. Wiederum klappt alles hervorragend. Der Bus ist da, die gebuchten Plätze sind frei und alles läuft wie am Schnürchen. Der Weg entlang dem Titicacasee ist malerisch und wunderschön. Er ist knapp 8‘600 Quadratkilometer gross und somit fast 13 Mal so gross wie der Bodensee. Ein Teil davon gehört zu Peru, der kleiner Teil gehört zu Bolivien. Sein Name hat nichts mit weiblichen Erkennungsmerkmalen und allgemeinen Fäkalien zu tun, nein, der Name bedeutet Pumafelsen, welcher die Isla del Sol beschreibt. Dazu kommen wir aber erst am Folgetag. Der See ist gleichzeitig der weltweit höchste schiffbare See der Welt.

Unser heutiges Ziel ist Copacabana, gleichzeitig auch unsere erste Station in Bolivien. Von vielen Reisenden haben wir erfahren, wie umständlich die Überquerung der Grenze sein kann, allen voran als Rucksacktouristen. Bei uns ging erstaunlicherweise alles wie durch Butter. Zuerst – auf der Peruanischen Seite – mussten wir zunächst zum Polizeiposten, einen Stempel einholen und danach zum Migration-Posten, einen zweiten Stempel abholen. Dann zu Fuss über die Grenze nach Bolivien und dort ein ausgefülltes Formular abstempeln lassen, den Pass stempeln lassen und – das war’s auch schon. Nur gerade 8 Kilometer von der Grenze entfernt liegt Copacabana. Es ist nicht zu verwechseln mit dem weitaus bekannteren Strand von Rio de Janeiro. Jedoch wurde der brasilianische Strand nach einer Kapelle benannt, die zu Ehren des Wahlfahrtsortes am Titicacasee errichtet wurde. Bereits bei der Ankunft in Copacabana haut es uns aus den Socken. Wäre es etwas wärmer,  könnte es gerade so gut ein toller Stand irgendwo im Mittelmeerraum sein. Herrlich! Die Sonne scheint, der See ist tiefblau, es liegen kleine Boote in der Bucht und das Dorf ist malerisch. In den Strassen herrscht eine entspannte Stimmung, viele junge Leute, viele Reisende und trotzdem alles auf kleiner Flamme. Herrlich. Für schlappe 30 Dollar erhalten wir im Hotel Utama ein sensationelles Zimmer mit Seeblick und allen Annehmlichkeiten. Einfach wunderbar. Hier lassen wir uns für ein paar Nächte nieder und planen am Folgetag eine Wanderung auf der bekannten Isla del Sol…. und ebenfalls steht der Verzehr von weiteren wunderbaren Forellen auf dem Programm, die hier für fast kein Geld in den herrlichsten Variationen angeboten werden. Nach einem entsprechenden Abendessen geht’s dann schon relativ früh zu Bett, da wir am Folgetag zeitig auf die Tagestour wollen. Erst jetzt merken wir, dass das wunderbare Hotel Utama auch einen Nachteil hat: die Heizung, oder besser: das Fehlen einer Heizung. Auf 3‘800 Metern Höhe wird es am Abend und in der Nacht empfindlich kühl. Zudem werden in Südamerika die Häuser nicht für die Ewigkeit gebaut, wie bei uns, das Wort Isolation kennen sie nicht. So versuchen wir, die 15 Grad in unserem Zimmer gelassen zu nehmen und kuscheln uns entsprechend noch näher aneinander.

Montag, 14. Mai 2012 – Isla del Sol

Heute machen wir einen Ausflug auf die Isla del Sol, die Sonneninsel. Sie liegt rund 20 Kilometer nördlich von Copacabana und ist – gemäss einer Inka Legende – der Geburtsort des Schöpfergottes. Somit wurde die Insel und der ganze See für die Inka heilig. Wir sind sehr gespannt, auf dieses mystische Abenteuer, welches leider bereits am Bootsanlegeplatz etwas an Realität gewinnt. So sind wir ca. 35 Touristen auf einem klapprigen Boot, welches wohl für viel weniger Leute konzipiert wurde, und schippern satte 2 Stunden an das nördliche Ende der Isla del Sol. Natürlich wurden noch ein paar Einheimische mitgenommen, die dann überall mit Zwischenstopps wieder abgeladen wurden. Dort angekommen begann unsere wunderschöne Wanderung. Zwar ist die Insel sehr karg, jedoch durch den tiefblauen Titicacasee und im Hintergrund die Berggipfel des Illampu und des Ancohume (beide rund 6‘400 Meter hoch) verschlägt es einem schier den Atem. Die Kulisse ist traumhaft schön und wir geniessen die Ruhe und den wunderbaren Fernblick… bis auf unserem Pfad plötzlich eine Maut-Station erscheint. Die Insel wurde unter den Gemeinden aufgeteilt und wer sie durchwandern will, ja der hat zu bezahlen. Zwar sind es nur 15 Bolivianos, knapp über 2 Franken pro Person,  aber wir fragen uns dennoch, was das eigentlich soll. Spontan überlegen wir uns, ob wir an der Spichermattstrasse eine Schranke errichten wollen und einen Wegzoll verlangen wollen. Schliesslich mussten wir auch die Erneuerung der Strasse mit finanzieren. Nun, wir verwerfen den Gedanken wieder, erfreuen uns am herrlichen Panorama und wackeln munter weiter. Leider haben wir vergessen, uns entsprechend einzucremen und als wir nach gut 3 Stunden unser Ziel erreichen, haben wir beide feuerrote Gesichter – na bravo, der Sonnenschutz im Rucksack nützt leider herzlich wenig. Nach einer stärkenden Forellenmahlzeit holt uns das Boot wieder ab und bringt uns zurück nach Copacabana.
Nach der Abenddämmerung, die wir leicht frierend in unserem Hotelzimmer genossen haben, gingen wir erneut in das feine, reizende und charmante Hinterhof-Restaurant, das wir am Vorabend entdeckt hatten. Heldenhaft ergatterten wir uns ein kleines Zweiertischchen und freuten uns auf das Essen. Im Laufe der Zeit füllte sich das Restaurant bis auf den letzten Platz. Nicht weniger als 4 Tische waren mit Schweizer Gästen belegt, was bei uns Anlass zur Diskussion gab. 

Bis jetzt sind wir auf unserer Reise den Touristenströmen gefolgt. Wir haben wohl viele tolle Sachen gesehen, jedoch stets – mit Ausnahme vom Colca Canyon – mit hunderten, wenn nicht tausenden von anderen Touristen. Als wir all den Schweizer Dialekten lauschten, hörten, was sie über Land und Leute zu erzählen oder zu bemängeln wussten, das leichte Mokieren, dass es hier kein Züri-Geschnetzeltes gibt, da haben wir einen Entschluss gefasst: Wir ändern unsere geplante Reiseroute!

Dienstag, 15. Mai 2012 – Anreise nach La Paz und Planänderung

Nach dem reichhaltigen Frühstück in Copacabana organisierten wir uns eine Fahrt ins etwa 3 Stunden entfernte La Paz. Diese Stadt soll der absolute Wahnsinn sein… mehr dazu aber an den Folgetagen, wo wir die Stadt so richtig erkunden werden.
Die Busfahrt ist spannend! Nicht nur, weil im hinteren Bereich des Busses eine motzende Schweizer Reisegruppe mitfährt (wir geben uns nicht zu erkennen, da wir uns eher etwas für unsere Landsleute schämen als dass wir auf Kontakt aus wären), sondern weil wir aus der idyllischen Seenlandschaft Richtung absoluter Super-Grossstadt unterwegs sind. Der Verkehr nimmt zu, die Hektik ebenfalls und auf einmal ruft der Buschauffeur: Terminal! Und weiter geht’s nicht. Jedoch sind wir nicht im Busterminal sondern irgendwo mitten auf der Strasse. Egal, denken wir uns, schnappen uns ein Taxi und fahren das erste ausgewählte Hotel an. Mit etwas Glück erhalten wir auch gerade ein Zimmer mit wunderschönem Blick auf die Stadt. Wieder einmal klappt das alles fast zu gut – vielleicht aber liegt es auch daran, dass unsere Spanisch Kenntnisse immer wie besser werden! 

Nachdem wir uns ein Mittagsmenü gegönnt haben (wohlgemerkt, 3 Gänge für 14 Bolivianos – das relativiert die am Vortag erhobene Gebühr doch beträchtlich), setzten wir die Routenänderung in die Tat um. Anstatt von La Paz weiter Richtung Uyuni (riesiger Salzsee) und Atacama (Wüste im Grenzbereich zwischen Bolivien und dem nördlichen Chile) zu reisen, haben wir uns heute einen Flug gebucht nach Santa Cruz. Dort wollen wir für mehrere Tage ein Dschungeltrekking machen im Amboro Nationalpark – schlichtweg, weil dieser bei weitem nicht so touristisch sein soll, wie die bisherigen Destinationen. Und wenn’s immer noch zu touristisch ist, dann haben wir mit noch entfernteren Nationalparks immer noch Steigerungspotenzial.  

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