Montag 7. Mai 2012 –
Cusco zum Ersten, die Abzocke beginnt
Für schlappe 60 Dollar(was für peruanische Verhältnisse ein
irrwitziger Betrag ist) nehmen wir uns wie erwähnt ein Hotel in der Nähe des
Zentrums von Cusco. Diese Stadt ist wunderschön, mit einem herrlichen
Zentrumsplatz und liegt auf rund 3‘400 Metern über Meer. Das interessiert uns
aber an diesem Tag alles nicht, denn wir wollen uns nur noch von den Strapazen
der letzten Tage erholen, unsere Wäsche waschen lassen, die Batterien aufladen…
als wir am späteren Nachmittag das Hotel verlassen um uns noch etwas die Stadt
anzusehen, teilt uns die Schnepfe der Rezeption mit, dass wir morgen das Zimmer
zu räumen haben, da das Hotel da ausgebucht ist. Was? Noch alle Tassen im
Schrank oder was? Vermutlich kommt eine gut bezahlende russische Reisegruppe,
die uns natürlich vorgezogen wird. Beim Einchecken für 2 Nächte hat uns dies
aber niemand gesagt – janu, wir waren das erste Mal sauer auf dieses Hotel und
es war nicht das letzte Mal… jedoch fokussieren wir uns auf die positiven
Dinge! Folglich stellen wir unsere Pläne um. Wir buchen für den Folgetag die
Zugsreise von Cusco (bzw. Poroj) nach Machu Picchu (bzw. Aqua Callientes) und
wollen das Abenteuer Machu Picchu in Angriff nehmen. Die Zugsfahrt (Hin- und
Zurück) hinterlässt mit gut 270 Dollar einen ziemlich teuren Eindruck, und
schon fühlen wir uns das erste Mal wie eine touristische fette Gans, die
langsam aber sicher gerupft und ausgenommen wird.
Da nun leider wieder nichts mit richtiger Entspannung war,
gönnen wir uns zumindest am Abend mal ein herrliches Abendessen. So verlassen
wir uns auf unseren Reiseführer und steuern zielsicher eine wiederum hoch
touristische Beiz an. Wir wollen es richtig krachen lassen und schnappen uns
die Grillplatte des Hauses und dazu eine leckere Flasche argentinischen
Rotwein. Auf der Grillplatte befindet sich das erste Cuy (Meerschweinchen),
welches kross gebraten sehnsüchtig auf seinen Verzehr wartet. Bevor wir es anstechen
geben wir ihm noch den liebevollen Namen Knuspi und los geht’s. Obwohl alles
auf dieser Platte wirklich herrlich ist, rangiert Knuspi deutlich unter unseren
Erwartungen. Vielleicht liegt es an der Zubereitung, vielleicht aber auch
simpel daran, dass es unseren Geschmack nicht richtig treffen mag. Nun, wir
werden sicher dieser Delikatesse noch eine zweite Chance geben, brauchen aber
noch eine gewisse Zeit dafür. Mit vollgeframsten Wänsten spazieren wir
gemütlich zurück in unser Hotel und müssen leider schon wieder packen, denn am
Folgetag geht’s ja bereits weiter.
Dienstag, 8. Mai 2012
– Reise nach Machu Picchu und das Tämeli macht schlapp
Bereits um 5.30 Uhr klingelt unser Handy-Wecker. Schon
leicht genervt über das Hotel stehen wir auf, packen die letzten Sachen und
wollen dieses Etablissement mit brachialen Rationen bei Morgenessen schädigen.
Alsdann checken wir aus und regen uns das nächste Mal auf, aber wir verzichten
hier auf nähere Beschreibung. Kurz darauf sitzen wir in einem Taxi, das uns nach
Poroj bringt, wo der Zug Richtung Aqua Callientes losfährt. Aqua Callientes ist
eigentlich das Dorf Machu Picchu, jedoch verstehen wir alle darunter eigentlich
die Inka-Anlage auf dem Hügel. Egal, die Zugsfahrt ist sehr schön und geht
entlang dem Urubamba River. Für die rund 100 Kilometer brauchen wir satte 3
Stunden… ja, man darf dies nicht mit europäischen Hochleistungszügen
vergleichen. Denn schliesslich geht es hier auch noch etwas um Entertainment.
So werden beispielsweise vom Zugspersonal während der Reise noch einheimisches
Kunsthandwerk und Fotobänder angeboten. In Aqua Callientes angekommen, macht
sich Knuspi vom Vorabend bei Tämeli bemerkbar. Sie kriegt ein ungutes Gefühl im
Bauch, schenkt dem aber vorerst keine grosse Beachtung. Doch bereits als sie
sich auf das erstbeste Hostal stürzt, ohne Vergleich und ohne irgendwas, wird
mir bewusst, sie braucht dringend eine Toilette und dringend ein Bett. Das
nutzt natürlich der Hostal Betreiber aus, und gibt uns das mit Abstand
schäbigste Zimmer, das wir je gesehen haben und dies zum einem sehr stolzen
Preis. Nun, wir haben weder Zeit noch Kraft, uns dagegen zu wehren. Tämi krümmt
sich mittlerweile von Bauchkrämpfen, wird im Gesicht weisser als das
cremefarbene Leintuch auf dem dreckigen Bett und hat fiebrige Augen. Das
Fiebermesser bestätigt, was ich vermutet hatte, Tämi geht’s nicht gut. Das
Dreckloch (und das ist wirklich noch schmeichelhaft) haben wir gerade für zwei
Nächte gemietet, da wir ja am Folgetag auf den Machu Picchu wollen, sofern es
meiner Götter-Ehefrau besser geht. Tämi schläft sofort ein und ich versuche,
alles für den Ausflug am Tag darauf zu organisieren. Meine Berufswahl und mein
Naturell kommen mir schon wieder in die Quere. Für das Eintrittsticket auf den
Machu Picchu sind satte 130 Soles (ca. 45 Dollar) zu berappen. Pro Person
versteht sich. Damit ist man zwar oben auf dem Berg zum Eintritt berechtigt,
nur ist man eben noch nicht oben auf dem Berg. Das heisst, zusätzlich muss auch
noch ein Bus-Ticket gekauft werden für 17 Dollar pro Person. Nun denn,
zähneknirschend und auf Berndeutsch fluchend berappe ich den Mist und gehe zum
Markt, wo ich gleich wieder abgezockt werde. Ein paar Früchte, etwas Wasser und
ein paar Cracker (zur Stärkung meiner kranken Ehe-Maus), kosten trotz
vehementen Verhandlungsversuchen mehr als in anderen Orten eine Übernachtung.
Okay, sage ich mir, ich muss das für den Moment vergessen und mich wiederum als
Gans betrachten, die jetzt einfach gerupft wird – fertig! Zurück im Zimmer müssen wir uns um das Ehetämeli kümmern. Bananen,
Wasser und etwas Chemie sollen helfen… und das tun sie auch. Sobald der Körper
richtig durchgespült wurde, kommt die Farbe allmählich zurück in ihr
wunderschönes Gesicht. Zum Glück, ich bin heilfroh… und zu meiner grossen
Überraschung will sie bereits in den Abendstunden wieder etwas essen gehen.
Natürlich, sehr gerne! Es gibt in diesem Dorf aktuell wohl mehr Restaurants als
Einwohner bzw. Touristen – alle Beizen sind leer und locken mit
Sonderangeboten. Wir fallen natürlich wieder darauf rein. Zwar ist das Essen
lecker, und der Preis ist tatsächlich nur die Hälfte von dem, was auf der Karte
steht. Dafür wird ungefragt eine Service-Tax auf die Rechnung geschlagen, die
dies alles locker wieder wett macht. Langsam bin ich richtig sauer – stinkesauer
und finde es unter dem Strich nur noch eine Frechheit. Zurück in unserem
Dreckloch platzt mir vollends der Kragen – und Tämi schläft bereits. Ich jedoch
spüre die Milben und anderes Getier über meine Haut krabbeln und bringe kein
Auge zu. Nein, denke ich mir, so geht das nicht – es braucht ein Planänderung
und zwar sofort!
Mittwoch, 9. Mai 2012
– Machu Picchu und der imaginäre Stinkfinger nach Aqua Callientes
Um 5 Uhr geht der Wecker – ojeh, ich beginne fast jeden Tag
mit einem solchen Satz, wer glaubt dabei noch an Ferien? – und um 5 Uhr 30 geht
der Bus hoch Richtung Machu Picchu. Wir Naivchen denken, dass wir hier mit ein
paar Anderen wohl die ersten auf diesem Berg sein werden und somit den
mystischen Tagesanbruch erleben können. Tja, so kann man sich täuschen. Bereits
um diese frühe Morgenzeit stehen hunderte – allen voran Amerikaner – Schlange
um einen der ersten 22 Busse zu erwischen, die auf den Berg fahren. Wir
erwischen dank intensivem Ellenbogen-Einsatz Bus Nummer 9 und sind 15 Minuten
später oben beim Haupteingang… dort warten aber bereits weitere hunderte von
Inka-Hungrigen und irgendwann sind endlich auch wir an der Reihe. Obwohl wir
uns sehr auf die Inka-Stadt und die Geschichte darum freuen, stossen wir uns
sehr an den Umständen drum herum. Ein älterer Kalifornier, den wir im späteren
Verlauf des Tages kennenlernen, beschreibt das Treiben hier wie Disneyland auf
Kokain – und das trifft es ziemlich präzise. Nun endlich, endlich stehen wir
ganz oben, dort wo man einen herrlichen Blick auf die ganze Anlage hat. Es ist
in der Tat mystisch und atemberaubend. Drum herum Dschungel und mitten drauf
eine imposante, ausgeklügelte Stadt. Bis heute ist man sich nicht sicher, war
es eine Festung? Gar ein Gefängnis? Ein Palastanlage?... die Geschichten darum
könnten vielfältiger nicht sein. Fakt ist, dass um 1911 ein Amerikaner Namens
Bingham der Welt Machu Picchu bei seiner Expedition näher gebracht und dokumentiert
hat. Was aber in den 200 Kisten war, die er von dort hat wegschaffen lassen und
von denen bis heute jede Spur fehlt, bleibt wohl ein Geheimnis. Wir sind
wirklich begeistert, geniessen den Rundgang und staunen immer wieder über die
ausgeklügelte Bautechnik, die bereits vor so langer Zeit zur Anwendung kam. Nach
4 Stunden Besichtigung und gut 300 geschossenen Bildern haben wir genug.
Vermutlich ist auch die Schwächung von meiner Ehefrau mit ein Grund, dass wir
gesehen haben, was wir wollten und dies sogar bei ganz unterschiedlichen
Stimmungen (mit Nebelschwaden aber auch bei Sonne).
Per Bus geht es wieder Richtung Dorf und dort angekommen
schaudert es mich, wenn ich an unser Dreckloch denke. Die Toilette betreten wir
nur mit Schuhen – wer weiss, was uns hier aus dem Hinterhalt in die Zehen
beissen könnte. Nein, so geht es nicht, Ferien und Unkompliziertheit hin oder
her – so nicht! Mit öis nöd! Und so gehen wir an den Bahnhof und wollen unser
Zugsticket für den Folgetag auf den heutigen Tag umbuchen lassen. Ich hätte
sogar auf Knien gewinselt, dass ich hier wieder weg darf, aber der Charme
meiner wiedererstarkten Ehefrau war ausreichend, dass wir – natürlich für ein
Aufgeld – den Zug umbuchen konnten. Von da an schien für mich wieder die Sonne.
Ich fand es einfach nur noch wunderbar zu wissen, dass die Milben in unserem
Bett sich zu früh auf eine erneute Mahlzeit aus der Schweiz gefreut haben!
Um 16.42 fährt der Zug pünktlich los, zurück Richtung Poroj
/ Cusco und ich bringe das Lächeln nicht mehr von meinem Gesicht weg und bin
meiner Frau unendlich dankbar für das Verständnis und diesen Einsatz!
Einen Tag früher als geplant sind wir wieder in Cusco
angekommen, jedoch noch ohne Unterkunft und langsam aber sicher mit hungrigem
Magen. Und als wäre es eine Entschädigung für die erlebten Qualen, finden wir
für einen sehr moderaten Preis in einer kleinen Seitenstrasse eine wunderbare
Pension. Alles drin, alles dabei, sauber, freundlich, riecht gut, ist gut, mit
Handtüchern und Toilettenpapier – Herz, was willst du mehr? Ich bin glücklich –
sehr sogar – und meine Frau hungrig. Und wer sie kennt weiss, jetzt ist Handeln
gefragt. Da wir in Aqua Callientes wegen des desaströsen Badezimmers uns nicht
getraut haben zu duschen, stinken wir zwar, doch jetzt muss gehandelt werden.
So gehen wir aus der Pension raus und direkt über die Strasse finden wir ein
Restaurant, welches in der Tat Gault Millaut Status hat. Zwar schämen wir uns
etwas, in unserer Aufmachung dort rein zu gehen, aber wie gesagt, Handeln ist
gefragt. So schlemmen wir und trinken lecker Wein, wunderbar. Ein wirklicher
Tipp für jeden Cusco Besucher! Mit vollen Bäuchen gehen wir zurück in unser
Zimmer und freuen uns sehr, dass morgen endlich einmal Ausschlafen auf dem
Programm steht und dazu noch ein Tag komplett ohne Programm.
Donnerstag, 10. Mai
2012 – Cusco zum 2. und diesmal viel, viel besser!
Nein, heute beginnt unsere Reiseerzählung nicht mit dem
Weckruf des Handys, sondern wir konnten einfach ganz genüsslich und gemütlich
ausschlafen. Da wir aber jeweils am Abend ziemlich zeitig ins Bett gehen, fällt
uns eigentlich das Aufstehen auch nicht besonders schwer. Das Hostel Santa
Maria an der Santa Catalina Angosta ist wirklich ein absoluter Glücksgriff.
Selbst die Disco, die sich direkt unter unserem Zimmer befindet, stört uns
nicht. Im Gegenteil, munter wippen wir in unserem Bett hin und her und freuen
uns über die kostenlose Unterhaltung. Das Frühstück ist zwar nicht besonders
reichhaltig aber dafür kommt es wirklich von Herzen und wird mit Charme
serviert.
Frisch gestärkt nehmen wir es heute einfach gemütlich. Zum
einen schreiben wir etwas am Reisebericht, geniessen den Internetzugang und
machen uns ein paar Gedanken über die weitere Reise. Tämi ist so geschafft von
den letzten Tagen und wohl auch noch von ihrem kurzen Aussetzer, dass sie in
null Komma nichts auf dem Sofa im Aufenthaltsbereich einschläft. Es sei ihr
gegönnt und die Sonne wärmt den Raum so wunderbar, dass auch ich fast ein
bisschen schläfrig geworden bin. Abhilfe schaffen da ein paar knackige Kommentare
in unserem Reisetagebuch. An dieser Stelle möchten wir uns überdies auch ganz
herzlich für die lieben und zahlreichen Kommentare in unserem Gästebuch
bedanken. Wir geniessen diese kleinen Botschaften aus der Heimat sehr und
möchten auf gar keinen Fall – auch in der Zukunft – darauf verzichten! Habt
vielen Dank!!
Das Wetter in Cusco ist strahlend, die Temperatur angenehm
und als wir unser Hostal gegen die Mittagszeit für einen Stadtbummel verlassen,
wünscht uns sogar das Reinigungspersonal einen wunderschönen Tag. Es ist
herrlich und spannend, wie eine freundliche Umgebung den Tag beeinflussen kann.
Sofort montieren wir die Sonnenbrille und machen uns zu Fuss auf, diese
wunderschöne Stadt zu erkunden. Es gibt fast keine Worte, die diesem schmucken Ort
treffend beschreiben. Man müsste es schon fast selber erlebt haben. Hoffentlich
können die Bilder unsere Eindrücke etwas wiedergeben. Wir schlendern durch die
malerischen Gassen, gönnen uns ab und an eine Leckerei und machen Fotos ohne
Ende. Herrlich, wir lassen uns richtig treiben…. Bis es uns in eine kleine
Modeboutique treibt. Die besagte Boutique ist spezialisiert auf Alpaca Kleidung
– der absolute Renner in der hiesigen Bekleidung. Alpaca ist dem Lama sehr
ähnlich und dessen Fell wird zu Wolle gesponnen, woraus sehr hochwertige Damen
sowie Herrenkleider hergestellt werden. Wenn man dem ganzen noch das Krönchen
aufsetzen will, dann wählt man Baby-Alpaca. Das soll noch feiner und noch edler
sein – in jedem Fall aber noch teurer. Die beste aller Ehefrauen (aus meiner
Sicht natürlich) pflegt stets gegenüber teuren Sachen sehr nüchtern zu
reagieren… bis auf ein ganz bestimmtes Stück eben in dieser Boutique. Ein
bezaubernder schwarzer Umhang, modern, elegant, leicht tailliert, verführerisch
und wunderbar. Als wäre Tämeli mit ihrer bezaubernden Figur Modell für diesen
Umhang gestanden. Bereits der Ausdruck in ihrem Gesicht verriet mir, hier ist
Hopfen und Malz verloren und das Teil wird unweigerlich unser Reisebudget
zusätzlich strapazieren… mit rationalen Argumenten versuchte ich dagegen
anzugehen, stand aber – wie erwartet – auf enorm aussichtslosem Posten. Nachdem
uns die Dame den Preis genannt hat und wir wieder aus dem Koma erwacht waren,
versuchten wir zu Handeln. Ob unserem Angebot konnte sie nur charmant lächeln
und sagte trocken: no! Gut, wir zogen wieder von Dannen und dachten uns, es ist
besser so…. Irrtum, das waren nur meine Gedanken, nicht aber die der anderen
Hälfte unserer Reisegruppe. Wer könnte einem so tollen Geschöpf etwas
abschlagen? Und so sind wir nach einem grossen Spaziergang wieder in dieser
Boutique gelandet, wo uns die Dame – so vermuten wir – bereits erwartet hat!
Meine Frau hüllt sich ab heute in Baby-Alpaca, ich Glückspilz.
Meine Belohnung erhielt ich dann am Abend – nein, nicht was
ihr denkt, sondern wir gingen absolut lecker essen. Wieder in dasselbe
Restaurant wie am Vorabend, genannt Incanto an derselben Strasse wie unser
Hostal. Wiederum war es herrlich, der Malbec mundete sogar meiner Ehefrau und
das Passion Fruit Semifreddo zum Dessert war genau so der Traum wie alles
andere. Leute, wenn ihr mal in Cusco seid, dann solltet ihr unbedingt dieses
Restaurant aufsuchen, die etwas gehoberen Preise lohnen sich in jedem Fall!!!
Freitag, 11. Mai 2012
– Cusco zum Letzten!
Okay, der Tag heute steht bereits im Zeichen der Weiterreise
nach Puno, unserer ersten Station am Titicacasee auf 3‘800 Meter über Meer.
Unsere Abfahrt mit dem Bus ist erst um 22 Uhr abends und so haben wir noch den
gesamten Tag zum Genuss unserer Ferien zur Verfügung. Und dies machen wir auch.
Cusco lacht uns wieder mit einem strahlenden Tag entgegen. Ganz gemütlich
setzen wir uns auf eine der zahlreichen Bänke auf dem Zentrumsplatz (Plaza de
Armas) und geniessen das emsige Treiben. Ein Bisschen lesen, etwas gucken, etwas
lästern, etwas blödeln… einfach herrlich. Und kurz vor Mittagszeit stellen wir
uns die kritische Frage, ob es denn für einen Pisco Sour noch zu früh sei?
Nein, sind wir uns schnell einig und wählen einen Balkon in einem Pub aus, von
welchem wir eine herrliche Sicht auf den Zentrumsplatz haben. Lesen und
Reisebericht schreiben geniessen wir hier oben, bis es uns etwas zu heiss wird.
Vom einen Balkon aus evaluieren wir den nächsten Balkon, wo wir uns
niederlassen, bestellen die nächsten Pisco Sour und freuen uns des Lebens. An
alle mitlesenden Mütter: es ist nicht so schlimm, wie es scheint, wir versuchen
nur die optimale Vorbereitung auf die bevorstehende lange Übernacht-Busfahrt zu
treffen – aus Erfahrung wissen wir, die sind nicht ohne…!
Mit Transzuela probieren wir heute eine neue Busgesellschaft
aus. Auch diese verspricht bei den Premium-Plätzen eine fast waagerechte
Position, die eine Entspannung bieten soll nahe dem eigenen Bett. Nun, da wir
ja mittlerweilen keine absoluten Greenhorns mehr sind, glauben wir auch nicht
jeden Werbespruch, der uns eingeflösst wird. Aber wir wollen nicht moffeln…
Samstag, 12. Mai 2012
– Puno und der erste Blick auf den Titicacasee
Am Morgen kurz vor 5 Uhr kommen wir in Puno an. Die Reise
mit Transzuela war erwartungsgemäss… leider stellten wir uns auf eine sehr
kühle Nacht ein, da die meisten Reisecars mittels Aircondition gekühlt werden
ohne Ende. Mit zwei Pullovern, ebenfalls deren 2 Unterhemden, langen Unterhosen
und einem Windstopper setzten wir uns als wandelnde Textilklumpen auf unsere
Sessel. Transzuela pflegt aber ihre Busse zu heizen und innert kurzer Frist
herrschten in unserem Gefährt stolze 26 Grad… in der Badehose ist das ja kein
Problem… nun, egal, wir kamen gut in Puno an. Jedoch ist es einfach eine Illusion,
dass man entspannt nach einer Nachtfahrt mit dem Bus irgendwo ankommt.
Puno liegt direkt am nordwestlichen Zipfel des Titicacasees,
ebenfalls auf 3‘800 Metern Höhe. Bei unserer Ankunft ist es 4.45 Uhr und die
kleine Stadt ist noch nicht erwacht. Mittels Taxi fahren wir zu einem
mittelprächtigen Hotel, wo wir für fast nix übernachten können. Das schöne ist,
dass wir das Zimmer bereits beziehen können und so hauen wir uns noch ein paar
Stunden aufs Ohr. Am Nachmittag erkunden wir den Ort auf eigene Faust, welcher
keine sagenhaften Attraktionen zu bieten hat. Dennoch geniessen wir es sehr und
setzen und bei Sonnenschein auf den Plaza de Armas und lesen etwas. Am späteren
Nachmittag haben wir uns noch einen Trip auf die „schwimmenden“ Inseln Uros
gebucht. Mit dem Touriboot fahren wir ca. 40 Minuten raus auf den Titicacasee
und besuchen dort – natürlich gegen Gebühr – vier Familien, die auf diesen
schwimmenden Inseln leben. Auf einer torfähnlichen Unterlage stapeln sie kreuz
und quer Schilf und das ganze wird ca. 3 Meter hoch… und schwimmt tatsächlich.
Jeder Schritt flutscht ein wenig, der Boden gibt tatsächlich nach und irgendwie
ist es uns gar nicht geheuer. Nebst dem, dass es natürlich hochgradig
touristisch ist und die Einwohner uns und den täglich wohl anderen 1‘200
Touristen sämtliche Dinge verkaufen wollen, die eh keiner haben will. Bei der
Feuchtigkeit, bei der Kälte und bei all den Viechern (zumindest die, die wir
gesehen haben), sind wir froh, nicht hier übernachten zu müssen. Dennoch gibt
es tatsächlich ein paar Wagemutige, die dies auf sich nehmen und in einer
schwimmenden Hütte übernachten.
Um ehrlich zu sein, benutzen wir Puno nur als Zwischenstopp
auf unserer Reise nach Bolivien. Insofern haben wir von diesem Ort auch nicht
allzu viel erwartet und genau dies hat er auch erfüllt. Am Abend gehen wir noch
ein lecker Ceviche Trucha essen (rohe Forelle aus dem See, mariniert und
äusserst lecker), bevor wir bereits früh zu Bett gehen.
Sonntag, 13. Mai 2012
– Bolivien wir kommen
Endlich haben wir uns mal eine Busfahrt bei Tageslicht
gebucht. Zwar hiess dies für uns wieder früh aufstehen, denn es empfiehlt sich,
die Grenze zwischen Peru und Bolivien vor der Mittagszeit zu erreichen, sonst
muss man eine Mittagspause lang warten, was in diesen Breitengraden ziemlich
lange dauern kann. Janu, so stellen wir mal wieder unseren Wecker, nehmen noch
ein karges Frühstück zu uns und verschieben zum Busterminal. Wiederum klappt
alles hervorragend. Der Bus ist da, die gebuchten Plätze sind frei und alles
läuft wie am Schnürchen. Der Weg entlang dem Titicacasee ist malerisch und
wunderschön. Er ist knapp 8‘600 Quadratkilometer gross und somit fast 13 Mal so
gross wie der Bodensee. Ein Teil davon gehört zu Peru, der kleiner Teil gehört
zu Bolivien. Sein Name hat nichts mit weiblichen Erkennungsmerkmalen und
allgemeinen Fäkalien zu tun, nein, der Name bedeutet Pumafelsen, welcher die
Isla del Sol beschreibt. Dazu kommen wir aber erst am Folgetag. Der See ist
gleichzeitig der weltweit höchste schiffbare See der Welt.
Unser heutiges Ziel ist Copacabana, gleichzeitig auch unsere
erste Station in Bolivien. Von vielen Reisenden haben wir erfahren, wie
umständlich die Überquerung der Grenze sein kann, allen voran als
Rucksacktouristen. Bei uns ging erstaunlicherweise alles wie durch Butter.
Zuerst – auf der Peruanischen Seite – mussten wir zunächst zum Polizeiposten,
einen Stempel einholen und danach zum Migration-Posten, einen zweiten Stempel
abholen. Dann zu Fuss über die Grenze nach Bolivien und dort ein ausgefülltes
Formular abstempeln lassen, den Pass stempeln lassen und – das war’s auch
schon. Nur gerade 8 Kilometer von der Grenze entfernt liegt Copacabana. Es ist
nicht zu verwechseln mit dem weitaus bekannteren Strand von Rio de Janeiro.
Jedoch wurde der brasilianische Strand nach einer Kapelle benannt, die zu Ehren
des Wahlfahrtsortes am Titicacasee errichtet wurde. Bereits bei der Ankunft in
Copacabana haut es uns aus den Socken. Wäre es etwas wärmer, könnte es gerade so gut ein toller Stand
irgendwo im Mittelmeerraum sein. Herrlich! Die Sonne scheint, der See ist
tiefblau, es liegen kleine Boote in der Bucht und das Dorf ist malerisch. In
den Strassen herrscht eine entspannte Stimmung, viele junge Leute, viele
Reisende und trotzdem alles auf kleiner Flamme. Herrlich. Für schlappe 30
Dollar erhalten wir im Hotel Utama ein sensationelles Zimmer mit Seeblick und
allen Annehmlichkeiten. Einfach wunderbar. Hier lassen wir uns für ein paar
Nächte nieder und planen am Folgetag eine Wanderung auf der bekannten Isla del
Sol…. und ebenfalls steht der Verzehr von weiteren wunderbaren Forellen auf dem
Programm, die hier für fast kein Geld in den herrlichsten Variationen angeboten
werden. Nach einem entsprechenden Abendessen geht’s dann schon relativ früh zu
Bett, da wir am Folgetag zeitig auf die Tagestour wollen. Erst jetzt merken
wir, dass das wunderbare Hotel Utama auch einen Nachteil hat: die Heizung, oder
besser: das Fehlen einer Heizung. Auf 3‘800 Metern Höhe wird es am Abend und in
der Nacht empfindlich kühl. Zudem werden in Südamerika die Häuser nicht für die
Ewigkeit gebaut, wie bei uns, das Wort Isolation kennen sie nicht. So versuchen
wir, die 15 Grad in unserem Zimmer gelassen zu nehmen und kuscheln uns
entsprechend noch näher aneinander.
Montag, 14. Mai 2012
– Isla del Sol
Heute machen wir einen Ausflug auf die Isla del Sol, die
Sonneninsel. Sie liegt rund 20 Kilometer nördlich von Copacabana und ist –
gemäss einer Inka Legende – der Geburtsort des Schöpfergottes. Somit wurde die
Insel und der ganze See für die Inka heilig. Wir sind sehr gespannt, auf dieses
mystische Abenteuer, welches leider bereits am Bootsanlegeplatz etwas an
Realität gewinnt. So sind wir ca. 35 Touristen auf einem klapprigen Boot,
welches wohl für viel weniger Leute konzipiert wurde, und schippern satte 2
Stunden an das nördliche Ende der Isla del Sol. Natürlich wurden noch ein paar
Einheimische mitgenommen, die dann überall mit Zwischenstopps wieder abgeladen
wurden. Dort angekommen begann unsere wunderschöne Wanderung. Zwar ist die
Insel sehr karg, jedoch durch den tiefblauen Titicacasee und im Hintergrund die
Berggipfel des Illampu und des Ancohume (beide rund 6‘400 Meter hoch)
verschlägt es einem schier den Atem. Die Kulisse ist traumhaft schön und wir
geniessen die Ruhe und den wunderbaren Fernblick… bis auf unserem Pfad
plötzlich eine Maut-Station erscheint. Die Insel wurde unter den Gemeinden
aufgeteilt und wer sie durchwandern will, ja der hat zu bezahlen. Zwar sind es
nur 15 Bolivianos, knapp über 2 Franken pro Person, aber wir fragen uns dennoch, was das
eigentlich soll. Spontan überlegen wir uns, ob wir an der Spichermattstrasse
eine Schranke errichten wollen und einen Wegzoll verlangen wollen. Schliesslich
mussten wir auch die Erneuerung der Strasse mit finanzieren. Nun, wir verwerfen
den Gedanken wieder, erfreuen uns am herrlichen Panorama und wackeln munter
weiter. Leider haben wir vergessen, uns entsprechend einzucremen und als wir
nach gut 3 Stunden unser Ziel erreichen, haben wir beide feuerrote Gesichter –
na bravo, der Sonnenschutz im Rucksack nützt leider herzlich wenig. Nach einer
stärkenden Forellenmahlzeit holt uns das Boot wieder ab und bringt uns zurück
nach Copacabana.
Nach der Abenddämmerung, die wir leicht frierend in unserem
Hotelzimmer genossen haben, gingen wir erneut in das feine, reizende und
charmante Hinterhof-Restaurant, das wir am Vorabend entdeckt hatten. Heldenhaft
ergatterten wir uns ein kleines Zweiertischchen und freuten uns auf das Essen.
Im Laufe der Zeit füllte sich das Restaurant bis auf den letzten Platz. Nicht
weniger als 4 Tische waren mit Schweizer Gästen belegt, was bei uns Anlass zur
Diskussion gab.
Bis jetzt sind wir auf unserer Reise den Touristenströmen
gefolgt. Wir haben wohl viele tolle Sachen gesehen, jedoch stets – mit Ausnahme
vom Colca Canyon – mit hunderten, wenn nicht tausenden von anderen Touristen.
Als wir all den Schweizer Dialekten lauschten, hörten, was sie über Land und
Leute zu erzählen oder zu bemängeln wussten, das leichte Mokieren, dass es hier
kein Züri-Geschnetzeltes gibt, da haben wir einen Entschluss gefasst: Wir
ändern unsere geplante Reiseroute!
Dienstag, 15. Mai
2012 – Anreise nach La Paz und Planänderung
Nach dem reichhaltigen Frühstück in Copacabana organisierten
wir uns eine Fahrt ins etwa 3 Stunden entfernte La Paz. Diese Stadt soll der
absolute Wahnsinn sein… mehr dazu aber an den Folgetagen, wo wir die Stadt so
richtig erkunden werden.
Die Busfahrt ist spannend! Nicht nur, weil im hinteren
Bereich des Busses eine motzende Schweizer Reisegruppe mitfährt (wir geben uns
nicht zu erkennen, da wir uns eher etwas für unsere Landsleute schämen als dass
wir auf Kontakt aus wären), sondern weil wir aus der idyllischen Seenlandschaft
Richtung absoluter Super-Grossstadt unterwegs sind. Der Verkehr nimmt zu, die
Hektik ebenfalls und auf einmal ruft der Buschauffeur: Terminal! Und weiter
geht’s nicht. Jedoch sind wir nicht im Busterminal sondern irgendwo mitten auf
der Strasse. Egal, denken wir uns, schnappen uns ein Taxi und fahren das erste
ausgewählte Hotel an. Mit etwas Glück erhalten wir auch gerade ein Zimmer mit
wunderschönem Blick auf die Stadt. Wieder einmal klappt das alles fast zu gut –
vielleicht aber liegt es auch daran, dass unsere Spanisch Kenntnisse immer wie
besser werden!
Nachdem wir uns ein Mittagsmenü gegönnt haben (wohlgemerkt,
3 Gänge für 14 Bolivianos – das relativiert die am Vortag erhobene Gebühr doch
beträchtlich), setzten wir die Routenänderung in die Tat um. Anstatt von La Paz
weiter Richtung Uyuni (riesiger Salzsee) und Atacama (Wüste im Grenzbereich
zwischen Bolivien und dem nördlichen Chile) zu reisen, haben wir uns heute
einen Flug gebucht nach Santa Cruz. Dort wollen wir für mehrere Tage ein
Dschungeltrekking machen im Amboro Nationalpark – schlichtweg, weil dieser bei
weitem nicht so touristisch sein soll, wie die bisherigen Destinationen. Und
wenn’s immer noch zu touristisch ist, dann haben wir mit noch entfernteren Nationalparks
immer noch Steigerungspotenzial.
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