Montag, 4. Juni 2012
















Montag, 28. Mai 2012 – die Reise geht weiter!

Am Vortag hatten wir in der Tat noch einen ganz kreativen Einfall. Zunächst aber kam der nächste Dämpfer, die Mietwagenbuchung konnten wir leider nicht mehr auf Chile transferieren, somit ist diese Kohle tüchtig in den Sand gesetzt. Nun denn, mit frischem Mut besorgten wir uns noch einen Reiseführer von Chile, denn eine gute Strassenkarte hatten wir von lieben Freunden bereits erhalten.
Den Abend genossen wir dann mal auf eine ganz andere Art und Weise. In einem Geschäft in Santiago entdeckte der Ehemann der Reisegruppe wahnsinnig lecker anmutende Fleischspezialitäten. Zum einen, um sie in rauen Mengen nach Hause zu schleppen und dort einzulagern, zum anderen aber auch für den sofortigen Verzehr gedacht. So deckten wir uns in diesem Geschäft mit allerhand Leckereien ein und dackelten zurück ins Majestic. An jenem Abend wurde auf HBO der 4. Teil der Reihe Fluch der Karibik gezeigt. So öffneten wir eine deliziöse Flasche chilenischen Rotwein und genossen das Kinospektakel vom Hotelbett aus und verwöhnten uns mit feinen Häppchen auf Toscana-Brot. Es war fantastisch, wenn auch der Film eher mässig war…
Doch eigentlich geht es ja um die Weiterreise. Am Morgen checkten wir zum letzten Mal aus dem Majestic aus und irgendwie war es auch an der Zeit, weiter zu ziehen. Mit dem Taxi ging es zur Mietzentrale von Alamo, wo wir uns für 10 Tage ein Auto mieten wollen. Sogar mit dem Taxifahrer parlierten wir, als wären wir (beinahe) Einheimische und es schmeichelte uns grenzenlos, dass er uns (beide) mindestens 10 Jahre jünger geschätzt hatte, als wir tatsächlich sind. Ja, das gute Schweizer Klima…. Egal, bei Alamo klappte alles – auch ohne Reservierung – ganz hervorragend und in Null-Komma-Gar-Nichts kurvten wir elegant und zielsicher durch Santiago. Ja, man kann sagen, es flackerte neuer Reisemut auf!!! Das Ziel war Süden und wir steuerten los…
Nach einer knappen Stunde hatten wir auch die Autobahn gefunden, die uns aus dem Moloch rausbrachte. Retrospektiv kann man sagen, dass Santiago viel Europäischer ist, als uns dies lieb war. Sie sind uns einfach viel zu ähnlich und leider auch das Preisniveau. Herkommend von Peru und dann on top noch Bolivien, war es in der Tat etwas ein (Preis-) Schock, den wir nun aber (mit viel Fleisch im Gepäck) sauber überwunden hatten. Das Ziel nun ist eigentlich klar, möglichst rasch möglichst südlich kommen, damit wir im Anschluss gemütlich von Nationalpark zu Nationalpark die Rückreise nach Santiago in Angriff nehmen können.
Zum Autofahren ist Chile ein fantastisches Land. Die Autobahn ist hervorragend in Schuss und es gibt in der Tat fast kein Verkehr. Man befindet sich meist ganz alleine auf weiter Bahn, ab und an überholt man mal einen Lastwagen, aber ansonsten ist alles komplett entspannt.
Rund 300 Kilometer südlich von Santiago verbringen wir in Linares unsere erste Nacht und staunen nicht schlecht, als uns das Hotel den gleichen Preis abknöpfen will, wie in unserem vielfach erprobten Majestic Hotel. Mit irgendwelchen fantastischen Discounts kam’s aber dann doch nicht so tragisch. Viel tragischer war aber die Tatsache, dass dieses liebevolle Kaff eigentlich fast keine Beizen hat, wo man mit einer Dame einkehren kann. Dennoch gingen wir dann in einen Spunten (quasi eine Knelle) und setzten uns an einen speckigen Holztisch. Inspiriert von der Atmosphäre und umgeben von Einheimischen begannen wir dann, etwas unanständige, leicht obszöne aber enorm spannende Themen zu diskutieren. Als sich die Backen (im Gesicht) bereits röteten, fragte uns unser Tischnachbar, von wo wir denn eigentlich herkommen. SUIZA, lautet unsere stolze Antwort, und die vorhergehenden Themen hatten wir schon fast vergessen,… bis der Mann mit perfektem Deutsch gesagt hatte, dass er sich dies bereits gedacht hatte… verdammt! Er habe Kinder, die beide in Deutschland studieren, habe selber einen Moment in Heidelberg gelebt und könne bereits Züridütsch von Bärndütsch unterscheiden…. Oi oi oi oi, und sofort war sie wieder da, die Röte in den Backen und wir waren froh, als endlich das Essen kam. 

Dienstag, 29. Mai 2012 – heading south!

Heute wollen wir primär Kilometer machen, Distanz zwischen uns und Santiago bringen und so reisen wir rund 600 Kilometer in den Süden. Am Bild der Autobahn verändert sich nicht viel. Die ist nach wie vor super in Schuss und der Verkehr quasi inexistent. Nur die ewigen Zahlstellen gehen uns etwas auf den Kecks, zumindest stellen sie dort immer adrette Damen hin, die mit ihrem Lächeln das Zücken von ein paar Scheinen einfacher machen…
Dennoch gibt es auf der Autobahn markante Unterschiede zu Europa. Es kommt nicht selten vor, dass man Fussgänger antrifft… diese warten wohl auf den Bus oder sie pilgern zur nächsten Haltestelle – und genau das ist auch sehr interessant, auf der Autobahn gibt es Haltestellen für Busse. Um Zeit zu sparen und da die Gelegenheit an Ausfahrten nicht so zahlreich ist, sind die Haltestellen kurzerhand rechts auf dem Pannenstreifen integriert worden. Ebenfalls Traktoren oder Bagger sind keine Seltenheit, die bei einer eigenen Reisegeschwindigkeit von konstant 120 auf einmal brutal rasch näher kommen. Nebst Hühnern sind uns auch die Velofahrer aufgefallen, die mal in diese, mal in jene Richtung radeln. Zwar herrscht in der Tat nicht allzu viel Verkehr, dennoch gilt es stets, die Augen offen zu halten. 
Nach einem Tag im Auto kommen wir am frühen Abend in Valdivia an, einem Ort naher der Küste zum Pazifik. Es ist eine Stadt, mit rund 150‘000 Einwohner und wir finden auf Anhieb ein nettes kleines Hotel, welches uns für die Nacht aufnimmt. Das Gute an der Nebensaison ist, dass es wirklich überall Platz hat und jeder mit irgendwelchen Rabatten lockt, sodass wir wohl kaum jemals im Auto schlafen müssen.
Das (mit gigantischem Abstand) Wunderbarste an diesem Tag ist aber das Abendessen. Unweit von unserem Hotel liegt das Restaurant Parilla de Thor. Und auch wenn uns die Reise durch Argentinien auf diesem Trip verwehrt bleibt, so kann man sich in diesem Lokal zumindest annähernd ein Bild davon verschaffen, was jenseits der Grenze abgeht. In diesem Restaurant thront ein offener, lodernder und funkensprühender Grill, so gross, dass locker ein ganzes ausgewachsenes Zart-Rind darauf Platz nehmen könnte (genau so einen hätte ich Zuhause auch gerne). Da wir (typisch) natürlich die Ersten im Lokal sind, nimmt sich der Chef sogar noch die Zeit, uns mit in die Küche zu nehmen. Dort, in verschiedenen Kühltruhen, lagern mit Vorhängeschlössern gesichert, die fleischlichen Schätze des Restaurants. Uns fallen schier die Augen aus, als wir die Köstlichkeiten sehen, die uns der Cheffe da vorlegt. Noch im Rohzustand können wir uns für unsere brachialen Fleischstücke entscheiden und er quittiert dies mit einem leichten Grunzen und einem Gebrabbel, das wohl hätte heissen sollen: eine gute Wahl, Freunde! Wunderbar… etwas später sitzen wir zurück an unserem Tisch und geniessen einen kulinarischen Höhepunkt unserer Reise, begleitet von einem fantastischen Merlot (aus Nationalstolz erhält man in diesem Restaurant leider keinen Malbec aus dem benachbarten Argentinien) und wir ergötzen uns ob den Schlemmereien auf unseren Tellern. Da wir von diesen exorbitanten Fleischstücken so dermassen entzückt sind, füllen wir unsere Wänste simultan schier bis zum Bersten! Auf das Dessert müssen wir leider verzichten, wir können einfach nicht mehr…. Dafür gibt’s aber ein tüchtiges Trinkgeld und bevor wir das Lokal verlassen, küsst der Kellner sogar noch meine Ehefrau…(ich hätte am liebsten das Rind geküsst…) ja, ja, das sei hier so üblich, trotzdem… ich darf ja auch nicht jede Dame an der Zahlstelle küssen… insofern, kein Grund zur Panik, aber ich dachte mir schon, dass ich dies dann im Reisebricht erwähnen sollte…

Mittwoch, 30. Mai 2012 – von Valdivia nach Chiloe

Die Nacht ist unruhig, zwar ist das Zimmer wunderbar, aber es klingt, als würde die viel befahrene Strasse zwischen Bett und Badezimmer verlaufen – und dies wohlgemerkt bei geschlossenem Fenster. Egal, ich träumte noch von diesem fantastischen Fleisch und frage mich schon im Traum, wie ich meine liebreizende Ehefrau überzeugen kann, dass wir auf dem Weg zurück nach Santiago wieder hier Halt machen. Ist es legitim, einen Umweg von rund 80 Kilometern zu fahren, nur für ein enorm fantastisches Stück Fleisch? Gut, hier scheiden sich die Geister, meiner schreit schon fast zweistimmig: JA!!!!!! Kaum was anderes ist dermassen legitim!!! Mal sehen, wie dies die Copilotin, Navigatorin und Verpflegungsmeisterin auffassen wird…
Nach dem Frühstück brechen wir wieder Richtung Süden auf. Unser Ziel ist die Insel Chiloe, gleichzeitig der südlichste Punkt unserer Reise. Vorbei an Osorno und Puerto Montt raffeln wir die notwendigen Kilometer ab, bis wir in Pargua ankommen. Dort bringt uns die Fähre in rund 20 Minuten rüber auf die Insel Chiloe. Auf dieser wollen wir zum einen Flamingos sichten, vielleicht sogar noch ein paar Pinguine, allem voran wollen wir uns aber den dortigen Nationalpark anschauen, der sehr schön sein soll.
In Ancud angekommen, lassen wir uns im Hostal Mundo Nuevo nieder. Zwar ist es ein äusserst schönes und reizvolles Hostal. Die Zimmer bieten allen Komfort und sogar das Bett ist wie ein Boot gezimmert. Wirklich herrlich – nur der Betreiber ist ein Schweizer. Und wir haben uns nicht viel dabei gedacht und sind dort aufgekreuzt. Irgendwie war er gar nicht so glücklich darüber, Landsleute zu treffen. Vermutlich hat er auch seine Gründe, wieso er aus der Schweiz ausgewandert ist. Wir auf der anderen Seite hatten schon länger keinen direkten Kontakt mehr (face to face) mit einem Schweizer, sodass uns der Aargauer Dialekt auch gerade etwas überrannt hat. Egal, wie gesagt, das Zimmer ist super und wir überlegen uns, ob wir hier mehr als eine Nacht verbringen wollen.
Bevor wir uns ein traditionell Chilenisches Abendessen gönnen, machen wir noch eine erste Erkundungsfahrt ins nahe Cualin. Nachdem ich meine Fahrkünste auf der durchlöcherten Offroadpiste unter Beweis stellen kann, sehen wir weit aussen ein paar spannende Vögel und pirschen uns wie Mohikaner auf leisen Sohlen an. Sobald die Tiere auf Seerohrtiefe waren – also, wir meinen Feldstecher- und Kamerazoom-Distanz, erkannten wir nüchtern, dass wir uns hier einer Horde trivialer Möwen genähert hatten. Nun, kurz dachten wir daran, entweder einen solchen Vogel zu schnappen und ihn an Hals und Beinen so zu zerren, bis man es als Flamingo hätten durchgehen lassen können… oder wir überlegten uns die gekonnte Veränderung in Photoshop… beides liessen wir dann bleiben. Doch ein paar Kilometer weiter wurden wir dann tatsächlich fündig. Unweit des Ufers haben wir eine Gruppe Flamingos entdeckt und uns darüber gefreut wie die Irren. Schön war auch, dass weit und breit überhaupt kein anderer Tourist zu sehen war – genau so, wie wir das mögen. Nach ein paar wirklich gelungen Fotos zogen wir glücklich wieder von Dannen.
Am Abend genossen wir ein traditionsreiches Curanto. Dabei handelt es sich um ein Gericht, dass irgendwie wie eine Berner Platte ist, jedoch ohne Sauerkraut dafür mit reichlich Muscheln. Es war herrlich. Das Restaurant war sehr urchig, wie auch die Bedienung. Aber wenn man sich auf Spanisch etwas Mühe gibt, dann taut auch der härteste Kellner auf und schenkt uns ein Lächeln. Nach dem Festschmaus habe ich sogar noch den herrlichsten Espresso Cortado unserer gesamten Reise getrunken. Der war sogar so wunderbar, dass mir meine Ehefrau die Hälfte weg getrunken hat, mit der Frage auf den Lippen: Du liebst mich doch, oder????

Donnerstag, 31. Mai 2012 – Regen satt!!

Da das Hostal wirklich wunderbar ist, haben wir uns entschlossen, eine zweite Nach hier zu bleiben. Das Frühstück ist reichhaltig und schmeckt sehr. Seit langem erhalten wir mal wieder ein selbstgebackenes Vollkornbrötchen, welches herrlich schmeckt. Wir geniessen dies mit Konfi und Dulce de Lecche und hoffen, dass das Zmorgen nie vorbei geht.
Irgendwann taucht der Schweizer auf, dem das Hostal gehört. Der hat sich um 180 Grad gewendet gegenüber dem Vortag und findet nicht nur uns mittlerweilen absolut super, sondern auch die Tatsache, dass wir eine weitere Nacht bei ihm gebucht haben. Martin ist irgendwie ein spezieller Kauz. Gestern hat er uns kaum beachtet und heute behandelt er uns, als wären wir mitunter die besten Freunde. Er erzählt uns bereitwillig vom Leben hier in Chile und von den Eigenheiten. Eine der spannendsten Geschichten ist zweifelslos diese der Uniformierten Angestellten. Leute vom Militär, Forstschutz, Polizei und Feuerwehr… diese müssen hier nur 25 Jahre arbeiten und haben danach den vollen Rentenanspruch. Ich, im eher gehobenen Altersbereich, beginne sofort zu rechnen und finde es schon fast eine Sauerei, dass ich nicht Chilenischer Polizist bin. Nun denn, sei’s drum, arbeite ich halt noch weitere 30 Jahre. Egal. Auch die sonstigen Eindrücke, die er hier gewonnen hat, sind wirklich äusserst interessant. Doch irgendwann merken wir, dass er sich richtig gehend danach gesehnt hat, mal wieder in Mundart zu sprechen… und uns wird es schon fast zu viel. Da wir ihn nicht stoppen können, fragen wir ihn nach Highlights auf dieser Insel. Aber auch hier lässt er sich kaum aus dem Konzept bringen und holt Luft für ein viel zu langes Plädoyer. Egal, gekonnt und charmant unterbrechen wir ihn und sagen ihm, dass wir nun endlich los müssen…. Und gleichzeitig fragen wir uns, wie es möglich ist, dass der Grummel vom Vortag heute zum absoluten Hardcore-Kaum-Zu-Bremsen-Kommunikator mutieren konnte.
Heute wollen wir mit dem Auto in den Nationalpark der Insel. Der soll nicht nur super sein, sondern man kann dort sogar auch noch den einen oder andere Trekk machen, was wir natürlich vorhaben. Okay, der Plan ist mal wieder wirklich super, doch wir haben einen Überlegungsfehler gemacht. Es ist Off-Season und das bedeutet, dass der Park zwar nicht geschlossen ist, aber keine Sau dort ist – auch kein Parkwächter und auch kein Müdes „Ferkel“ an der Tourist Info oder sonst wo. Und so fahren wir mit unserem Chevy zuerst gut 120 Kilometer in die Pampa, dann über ein paar Brücken weiter über moderate Gravel Roads bis weiter zu kargen Schotterpisten, die jedes Rally Herz höher hätten schlagen lassen. Jedoch wusste ich genau, dass ich die Karre auch wieder selber aus dem Dreck hätte holen müssen, so war mein Fahrstil eher defensiv… leider. Aus der Schotterpiste wurde irgendwann Sand und plötzlich war vor uns nur noch der Pazifik. Tosend und mächtig, absolut einsam und auch etwas furchteinflössend war vor uns nichts mehr als Wasser und Sand. Schade nur, dass auch dieser Ausflug von Regen begleitet war, aber wir haben es zumindest versucht. Ein paar Fotos liessen sich auch noch schiessen, dann wurde es uns zu bunt (oder zu karg) und wir setzten gekonnt zum Rückweg an.
Wieder im Hostal, wollten wir genüsslich und in aller Ruhe vor dem lodernden Feuer noch kurz die Geschehnisse der Welt im Internet nachvollziehen und unsere Weiterreise planen… doch da haben wir die Rechnung erneut ohne Martin – den Wirt – gemacht. Der joggelte schon vor Freude, als wir wieder auf den Vorhof fuhren und liess uns keine Verschnaufpause auf dem Sofa, schon labberte er uns mit Geschichten über die Facebook-Aktie und sonstige kapitalistischen Machenschaften vor… er war – wie schon am Morgen – nur wahnsinnig schwer zu bremsen. Doch, aus lauter Nächstenliebe, gönnten wir ihm die Konversation in Mundart und spielten rund eine Stunde mit. Meine Frau kriegte langsam Hunger und wer sie kennt weiss, dass dies gar kein gutes Omen für das nächste Umfeld ist. Ich pflege bei unseren Exkursionen immer etwas Proviant dabei zu haben, um exakt solchen Zwischenfällen vorzubeugen. Martin aber kannte weder das Phänomen noch deren Folgen, wenn meine Frau hungrig und gelangweilt ist. So genoss ich das Spektakel einer völlig desinteressierten Frau und einem völlig macht- und hilflosen Schweizer Auswanderer, bis ich – als wiederum wahnsinnig kluger Ehemann – mit dem Vorschlag kam: Frau, lass uns essen gehen! In dem Augenblick erhellt sich der Ausdruck auf Tämis Gesicht, Martin verabschiedete sich und wir gingen ins nahe gelegene  Casa Mar Abendessen.

Freitag, 1. Juni 2012 – uns ist nach… Hot Springs!!!

Was man diesem Schweizer Hostal absolut hoch anrechnen muss, ist das fantastische Frühstück. Das war wirklich sehr, sehr lecker und wir haben das selber gebackene Mehrkornbrot in vollen Zügen genossen. Mindestens im gleichen Ausmass haben wir genossen, dass Martin noch nicht anwesend war. Denn bereits in den Morgenstunden eine solche Dröhnung an Informationen ist einfach zu viel, zumal es der zweite Morgen in Folge gewesen wäre… aber wir haben Glück.
Kurze Zeit später ist unser Gepäck verstaut, das Zimmer bezahlt und wir auf dem Weg wieder zurück in den Norden. In der Tat ist das Wetter in der letzten Woche nicht auf unserer Seite gewesen. Klar, es liegt auch daran, dass je tiefer wir in den Süden kommen, je mehr Herbst wird es – und das merkt man. Seit unserer Ankunft in Santiago hat es fast nur noch geregnet. Zwar ist dies, wenn man im Auto unterwegs ist, nicht allzu tragisch, dennoch limitiert es natürlich die Möglichkeiten und auch den Antrieb, draussen etwas zu unternehmen. Insofern ist der Besuch von Nationalparks nicht besonders reizvoll und auch ein Pferdetrip über einen Vulkan ist irgendwie nicht genau das, wonach uns der Sinn bei diesen Regenmassen ist. Darum entschliessen wir uns, zu den Thermalquellen von Huife zu fahren und uns dort in einem Luxusresort niederzulassen. Das klingt wirklich fantastisch und die Anfahrt dorthin (rund 500 Kilometer) wäre auch malerisch, wenn man etwas davon sehen würde… Jedoch ist die Sicht relativ bescheiden und der Regen kreiert auf der Stresse teilweise kleine Seen, welche die Lenkung von unserem Mietkarren kurzfristig übernehmen!
Einen kleinen Zwischenbericht in Anspielung an ein anderes Highlight gibt es noch: Meine Ehefrau hat mir nicht erlaubt, nochmals über Valdivia zu fahren und dort eines der besten überhaupt Fleische zu essen. Da wollte ich schon zu einer wahnsinnigen Revolte ausholen, als sie mich mit einer Alternative besänftigt hat. In Osorno, was überdies viel klüger direkt auf unserem Weg liegt, gibt es ein Restaurant, welches Las Brasas heisst. Ein wunderbarer Ort (wir meinen das Restaurant). Grummelnd und ohne Lautstärke moffelnd fuhr ich am frühen Nachmittag auf den Parkplatz von eben diesem Restaurant gefahren.  Ein lecker Mittagessen soll es sein – und da wurde es auch! Ich meine, wer darf sich schon zum Mittagessen ein gut 500grämmiges Hammer-Fleisch gönnen und wird dabei von der Frau noch unterstützt? Eben, sag‘ ich doch, ich habe die Beste von allen! Dazu ein alkoholfreies Bierchen und zufrieden und völlig überessen machen wir uns auf den verbleibenden Weg.
Endlich sind wir angekommen. In diesem „Luxusresort“ ist in der Tat der Preis sehr luxuriös, zumindest für Chilenische Verhältnisse. Egal, denken wir uns, denn wir sind so müde, dass wir nicht mehr weiterfahren wollen. Das Zimmer ist der absolute Hammer, das Bett ist riesengross, der Fernseher auch, mit rund 400 Kanälen, dazu ein kleiner Schwedenofen, den man selber befeuern kann und ein Bad, welches schon für sich eine Wellnessoase ist. Fantastisch – es gefällt uns auf Anhieb und der Preis scheint uns sofort gerechtfertigt. Die beiden Thermalbäder sind 24 Stunden geöffnet und so gönnen wir uns nach einem leichten Abendessen noch einen exklusiven Schwumm im über 30grädigen Wasser. Es ist herrlich und wir haben die Pools völlig für uns alleine. Oben – wie könnte es auch anders sein – regnet es uns auf den Kopf und unten ist es kuschelig warm. Danach genossen wir unser Zimmer und ich – als quasi Feuerscheff – war für den Schwedenofen verantwortlich. Es war herrlich, was man aber vom darauffolgenden Frühstück nicht unbedingt sagen konnte…

Samstag, 2. Juni 2012 – ein Luxusfrühstück!

Nun denn, wir wissen, dass unsere Ansprüche langsam etwas hoch sind. Jedoch haben wir auf der Reise bewiesen, dass wir auch in ganz einfachen Verhältnissen eine wunderbare Zeit verbringen können. Wenn wir aber über 200 USD die Nacht hinblättern, dann erwarten wir zum Frühstück diverse Specksorten, kross gebraten, Früchte, Eier, Brote, Aufschnitt und alles, was dazu gehört. Das Zmorgen hier entspricht nicht ganz unseren Erwartungen und in Gedanken bin ich immer noch beim ultimativen Fleischgenuss vom gestrigen Mittag und suche vergeblich all die kross gebratenen Specktranchen. Ich verzichte nun absichtlich darauf, meinem Frust noch weiter Luft zu verschaffen…
Wie erwähnt, unser Zimmer ist herrlich. Wir geniessen es in vollen Zügen und machen einfach mal nicht allzu viel. Der Schwedenofen ist ein Hochgenuss und wir feuern ihn ein, bis unser Raum auf über 30 Grad geheizt ist. Schade nur, dass meine Frau schwitzend darum bittet, endlich die Feueraktivitäten einzustellen, denn ich hätte es locker noch etwas weiter treiben können. Als Entschädigung machen wir einen ausgiebigen Besuch in allen Thermalbädern, die das Hotel zu bieten hat und die sind wirklich herrlich. In dieser wunderbaren Atmosphäre lassen sich enorm gute Zukunftspläne schmieden…!!
Da wir vom Rest der Anlage eigentlich sehr enttäuscht sind und unser Zimmer im Gegenzug absolut super finden, gönnen wir uns ein Abendessen auf dem Zimmer. Dies mit Wein, Crackers und Aufschnitt und finden es absolut herrlich. 

Sonntag, 3. Juni 2012 – Hot Springs ade und zurück Richtung Norden

Heute verabschieden wir uns von den Hot Springs mit beidem, einem weinenden und einem lachenden Auge. Das weinende gilt den Hot Springs selber. Es ist einfach wahnsinnig entspannend, zusammen durch das 30grädige Wasser zu planschen und zu wissen, dass man sonst gar nix mehr zu tun hat. Das lachende Auge gilt dem Buchhalter in unseren Adern, der den stolzen Preis für die Übernachtung im Prinzip viel zu hoch findet… aber, es geht noch krasser, mehr dazu aber später!!!
Zwar ist unsere Stimmung immer noch gut, aber der anhaltende Regen der letzten 10 Tage macht uns zu schaffen. Es bedarf dringend einer Änderung und so entschliessen wir uns, heute so rasch als möglich viele Kilometer in den Norden zu raffeln. Des Kapitäns Wunsch ist des Steuermann’s Befehl und so versuche ich möglichst elegant möglichst rasch viele Kilometer hinzukriegen. Und siehe da, als quasi Ritter der Autobahn gelingt es mir auch. Das erstaunlich daran ist, je weiter wir nördlich kommen, umso besser wird das Wetter. Nach 7 Tagen permanentem Regen sehen wir das erste Mal wieder die Sonne und lassen sogleich unsere Haut und unsere Seele wärmen.
Da dieser Tag geprägt ist von rund 600 Autobahnkilometern, gibt es sonst leider nicht allzu viel zu erzählen. Der erste Übernachtungsversuch in Curico schlug leider fehl – wir fanden schlicht kein Hotel / Motel / Hostel oder sonst was. Also fuhren wir weiter nach Norden bis San Fernando, wo wir in einem kleinen, einfachen Hotel Unterschlupf für die Nacht gefunden haben.

4. Juni 2012 – Valparaiso, ein Chaos auf hohem Niveau

Nach weiteren 300 Kilometern (kleinere wunderschöne Umwege miteingerechnet) kommen wir in Valparaiso an. Das ist eine verrückte Welt auf der Höhe von Santiago, jedoch an der Pazifikküste. Und hier – man glaubt es kaum – scheint die Sonne uns es lacht uns ein stahlblauer Himmel entgegen. Die Sonnenstrahlen verwöhnen unsere regengeplagte Haut (allem voran die Windschutzscheibe) und wir geniessen das Gefühl endlich mal wieder auf trockener Fahrbahn unterwegs zu sein.
So hart es klingen mag, langsam aber sicher neigen sich unsere Ferien dem Ende zu. Damit wir dies noch mit einem gebührenden Paukenschlag zu Ende bringen können, reservieren wir uns in Valparaiso ein Wahnsinns-Hotel. Wir haben uns entschlossen, zu diesem Etablissement keine Einzelheiten bekannt zu geben, aber wir haben die Suite mit Dachterrasse gemietet, dies für zwei Nächte. Der Blick, der sich von hier aus auf die Stadt erstreckt, ist atemberaubend. Wir zücken simultan die Kameras und sind froh, endlich mal wieder ein Motiv bei Sonnenschein abzulichten, als immer nur ein Regenbild zu schiessen mit der Illusion, es sei wahnsinnig mystisch!!
Ja, hier lässt es sich wirklich aushalten und wir geniessen es mit einem Stadtbummel zu Fuss. Das Auto lassen wir bei dem Chaos lieber stehen und bewegen uns mit den eigenen Beinen und nötigenfalls mit dem Taxi.
Die letzten Tage wollen wir uns kulinarisch noch etwas verwöhnen. Von Seafood über die beste Pasta der Stadt bis hin zu den brachialen Fleischstücken soll diese Stadt alles bieten. Jedoch gibt es wohl für das Reisetagebuch nicht mehr allzu viel zu berichten… aus diesem Grund schliessen wir mit dem heutigen Tage die offizielle Berichterstattung. Hoffentlich konnten wir mit unseren Schilderungen dem Leser ein paar Eindrücke vermitteln, was wir während diesen Wochen erlebt haben und wie wir es empfunden haben. Durch die Veröffentlichung auf unserem Reiseblog hatten die Interessierten die Möglichkeit, ab und an einen Kommentar zu hinterlassen, was uns wahnsinnig gefreut hat. Wir geniessen diese Zeichen aus der Heimat immer sehr und freuen uns ob der Wertschätzung bezüglich der so möglichen Teilnahme an unserer Reise.
Nachdem wir den morgigen Tag in Valparaiso verbringen werden, reisen wir am Mittwoch zurück nach Santiago. Am Donnerstag geht dann unser Flug von Santiago nach Paris und am Freitag weiter von Paris nach Zürich, wo wir hoffentlich am Nachmittag irgendwann heil in unserem Zuhause in LA ankommen werden.

Sonntag, 27. Mai 2012

in Santiago gestrandet...


Dienstag, 22. Mai 2012 – ein Tag zum Auftanken

Das Hotel, in welchem wir uns in Samaipata befinden, gefällt uns sehr. Die Leute sind sehr freundlich, das Frühstück ist schlichtweg der Hammer, die Sonne scheint und auch sonst ist eigentlich alles wunderbar. Darum beschliessen wir, an dem heutigen Tag unsere Batterien wieder etwas aufzutanken. Wir nehmen uns daher nicht viel vor, geben unsere schmutzigen Trekking-Kleider in die Reinigung, putzen unsere Schuhe, halten die Erlebnisse der letzten Tage fest und lassen innerlich den gesamten Dschungeltrip nochmals revuepassieren. Eigentlich war es wirklich haargenau das, was wir suchten und sind froh, dass wir es auch gefunden haben…
… apropos finden: nebst dem, dass uns natürlich unzählige Mücken gefunden und ausgesaugt haben, hat es wohl im ganzen Amboro Nationalpark nun keine Zecken mehr, da alle ihren Weg an unseren Körper gefunden haben. Jawohl, man glaubt es kaum. Nachdem wir den ersten entdeckt haben, gab es eine gegenseitige (recht spannende) Komplett-Such-Aktion! Und bei näherer Betrachtung stellten wir fest, dass tatsächlich viele dieser Tierchen sich krampfhaft an unserer Haut festgebissen hatten. Sogar zwischen den Zehen haben wir eine Armada von diesen Schmarotzern entdeckt. Zum Glück ist die Haut dort aber etwas zäher, sodass sie wohl sehr erschöpft einfach versuchten, die Stellung zu halten. Ausgerüstet mit Pinzette und Taschenlampe wurden sämtliche Winkel abgesucht und wir hoffen, dass wir nun alle erwischt haben.

Mittwoch, 23. Mai 2012 – Back to Start und Planung der Weiterreise

Nach einem wiederum sagenhaften Frühstück und dem Erhalt der Wäsche geht es heute weiter. Wir packen unsere Rucksäcke und das Ziel ist erneut Santa Cruz. Mit dem Taxi fahren wir diesmal für die Hälfte des Preises für die Hinfahrt zurück. Es ist also eine Illusion zu glauben, dass man hier nicht gerupft wird wie eine fette Weihnachtsgans. Aber hier merkt man es nicht so stark – oder erst im Nachhinein.
Im Hotel Aeronautica in Santa Cruz liessen wir uns nieder. Und offen gestanden, diese Stadt gefällt uns nicht. Auf uns wirkt sich unorganisiert, laut, unaufgeräumt… aber egal, sie muss uns ja auch nicht gefallen, wir wollen nur nett übernachten und die Weiterreise buchen. Und beides stellt sich als nicht ganz so einfach raus. Am Nachmittag betreten wir ein relativ grosses und von aussen modernes Reisebüro – aber das Kriterium ist eigentlich dies, dass ein VISA Zeichen vorne an der Tür klebt. Von Santa Cruz aus möchten wir nach Argentinien reisen, am liebsten nach Mendoza oder dann nach Buenos Aires. Als wir das Büro betreten, kommt es mir vor wie im Film Back to the Future, wo Michael J. Fox in seinem DeLorean auf einmal im Jahr 1955 landet… da standen Schreibmaschinen rum, die Telefone waren noch mit Wählscheibe und selbst die Frisuren der Angestellten erinnerten an längst vergangene Zeiten. Nun denn, ganz so schlimm war es dann doch nicht – aber trotzdem. Ein Direktflug nach Mendoza geht nicht, man muss über Buenos Aires fliegen. Das wiederum ist mit der BOA (Bolivianischen Airline) ab Santa Cruz nur möglich, wenn man gleichzeitig ein Flugticket vorweisen kann, mit welchem man Argentinien auch wieder verlässt. Sehr spannend. Das haben wir nicht, wollen wir natürlich auch nicht. Okay, dann gibt es noch die Möglichkeit des Flugs mit der Argentinischen Airline, kostet hingegen genau 3x so viel. Kommt auch nicht in Frage. Mist. Gut, dann ändern wir zähneknirschend unsere Pläne und wollen nach Santiago in Chile fliegen, damit wir dort mit dem Bus nach Mendoza gehen können, was lediglich 7 Stunden dauert. Ja, das ist leider ab Santa Cruz auch nicht möglich, aber es gibt eine Möglichkeit des Flugs von Santa Cruz nach La Paz und von La Paz dann nach Santiago. Okay, das klingt wiederum vernünftig. Dumm nur, dass ausgerechnet dieser Flug nicht mit der VISA bezahlt werden kann, warum wissen die Götter.
Allgemein gilt es hier festzuhalten, dass gerade in Bolivien die Kreditkarte ein echtes Tabuthema ist. Entweder wird sie nicht genommen, oder zwar akzeptiert, einfach nicht für diese Leistung, die man gerne hätte, oder aber man schlägt locker 10 – 15% drauf, sodass man gar nicht auf die Idee kommt, sie zu zücken.
Also, nach intensivster Bearbeitung des Geldautomaten haben wir dann die nötigen flüssigen Mittel beisammen um den Flug zu buchen. Leider haben wir erst viel später gesehen, dass der Flug von La Paz nach Santiago noch mit 2 (!!!) Zwischenstopps versehen ist. Aber egal, wir waren einfach nur froh, die Weiterreise in der Tasche zu haben.
Ohne Abendessen – da wir am Mittag tüchtig zugeschlagen haben – gingen wir zurück in unser Hotel Aeronautica, welchen Namen man aufgrund der Geschehnisse auch ohne Übertreibung auf Nautilus hätte abändern können. Denn an besagtem Abend begann es in Santa Cruz zu regnen und zwar wie aus Kübeln. Tämi bemerkte noch, dass unterhalb des geschlossenen Fensters ein kleines Rinnsal war und das nächste Mal, als ich die Füsse auf den Boden stellte, bemerkte ich einen Wasserfilm, der die gesamte Fläche von unserem kleinen Zimmer überzog. Es regnete überall rein und wir kamen uns vor, wie ein paar Nächte zuvor im Zelt… nach kurzer Überlegung liessen wir das geplante Moffeln jedoch sein. Schliesslich mussten wir sowieso am Morgen bereits um 4.45 Uhr raus, da der Flieger schon kurz nach 6 ging – und so amüsierten wir uns dennoch und freuten uns enorm, dass dies nicht unser Hotel war und schliefen – bei relativ hoher Feuchtigkeit – alsbald ein!

Donnerstag, 24. Mai 2012 – von Santa Cruz nach Santiago

Heute ist ein Reisetag und wir freuen uns wahnsinnig darauf, denn unserem nassen Zimmer trauern wir keine Sekunde nach. Auf dem Bett (da dort kein Wasser) ziehen wir uns an (inklusive Schuhe), schnappten unsere Rucksäcke und auf geht die wilde Fahrt. Zuerst zum Flughafen und dann mit der TAM (Transporte Aereo Militar) nach La Paz. Wenn schon die Fluggesellschaft „Militär“ im Namen trägt, dann erwartete ich mindestens ein Salutieren bei dem Betreten der Maschine, oder einem waghalsigen Manöver bei Start und / oder Landung oder zumindest strammen Stewardessen in Tarnkleidung. Leider alles Fehlalarm. Bis auf die sehr karge Sitzpolsterung und die Kotztüte liess nichts aufs Militär schliessen. In La Paz warteten wir dann gute 5 Stunden auf den Weiterflug, welcher dann – wie erwähnt – mit zwei Zwischenstopps verziert wurde. Kurz vor 19 Uhr waren wir dann in Santiago angekommen, einer Metropole mit über 6 Mio Einwohnern.
Bereits während der Taxifahrt ins Zentrum wurde uns klar, dass wir jetzt in einer ganz anderen Welt gelandet sind. Den Chilenen geht es massiv besser, als den Bolivianern, zumindest wurde dieser Eindruck bereits auf der Taxifahrt ins Zentrum vermittelt. Die Autos sind besser, viel besser, die Strassen ebenfalls, der Flughafen sowieso… und natürlich ist auch das Preisniveau sehr viel höher. Egal, dachten wir uns, Hauptsache jetzt ein anständiges Hotel finden, etwas leckeres essen und die Strapazen des Tages vergessen. Das etwas in die Jahre gekommene Hotel Majestic bietet uns ein Zimmer zu einem Vorzugspreis an und wir buchen zwei Nächte. Zum einen wollen wir einen Eindruck der Stadt gewinnen und zum anderen auch noch die Weiterreise nach Mendoza organisieren.
Im Ocean Pacific essen wir dann ein Fisch-intensives Abendessen. Durch eine Luke steigt man ein, alle Kellner in Matrosenuniform und der Kapitän mit weissem Vollbart stapft den ganzem Abend um die Tische um sein Seemannsgarn unter die Leute zu bringen. Für unseren Geschmack etwas zu viel des fischigen, aber wir wollen uns nicht beklagen. 

Freitag, 25. Mai 2012 – Santiago

Heute machen wir wiederum nicht allzu viel, schliesslich haben wir ja Urlaub. So gönnen wir uns ein etwas spätes Frühstück und machen uns dann auf für die Reservation des Busses nach Mendoza für den Folgetag. Nach dem Besuch von ein paar Märkten und ein paar Einkaufszentren ziehen wir uns auch schon wieder genüsslich in unser majestätisches Hotelzimmer zurück und buchen per Internet noch Hotel und Mietwagen für Mendoza. Im Ausgangsviertel von Santiago finden wir eines von zahlreichen wunderbaren kleinen Bistrots, essen ein herrliches Abendessen und gönnen uns eine feine Flasche einheimischen Weins. Das allerbeste an diesem Bistrot ist die Tatsache, dass man zum Abschied eine Flasche des getrunkenen Weins mit nach Hause bekommt. Quasi nach dem Motto: Drink one – get one free. Welch wunderbare Idee, die unbedingt in den CH-Restaurants Einzug finden sollte. 

Samstag, 26. Mai 2012 – Santiago nach Mendoza, 1. Versuch

Heute brechen wir auf nach Mendoza und freuen uns beide wahnsinnig auf Argentinien, die feinen, glücklichen, mit Kräuter gefütterten und vom Gaucho auf der Weide sanft massierten Hochlandrinder auf dem Teller, die weltweit bekannten edlen Tropfen aus dem Mendoza Gebiet und noch etwas das Argentinische Flair, bevor es dann wieder zurück in die Heimat geht.
Irgendwie haben wir nach diesen paar Tagen in Santiago auch die Nase voll. Es hat ununterbrochen geregnet und wir empfinden es hier viel zu Europäisch für unseren Geschmack, dies kann gut und gerne noch etwas warten.
Alles ist parat, die Rucksäcke gepackt und in die Transporthülle gewickelt, wir – ausgerüstet mit genügend Proviant – auf die 7stündige Reise vorbereitet und erwartungsvoll stehen wir am Gate 22 wo der Bus nach Mendoza um kurz vor 12 Uhr starten soll. Das Mietauto für den Folgetag ist klar gemacht und alles passt. Super!
Doch leider steht da kein Bus und es kommt auch keiner. Langsam werden wir etwas misstrauisch und gehen mal schüchtern an die Information. Dort verwirft man die Hände: Bedingt durch die brachialen Niederschläge der letzten Tage ist der Grenzübergang in den Bergen zwischen Chile und Argentinien komplett zu- und eingeschneit. Die Grenze wurde aufgrund dieser dramatischen Wetterlage vorübergehend geschlossen. Hmmm… kein Bus, kein Grenzübertritt, kein Hotel, kein Mietwagen… spannend. Jetzt ist Kreativität gefragt.
Im Anflug von eben dieser Kreativität gehen wir mit Sack und Pack an den Flughafen und hoffen, dort spontan einen Flug nach Mendoza buchen zu können. Dies könnten wir auch, jedoch verlangt die Chilenische LAN für diesen ca. 30 Minuten Flug sage und schreibe 1‘400 USD, was wir zwar bezahlen könnten, uns aber der Kopf auf keinen Fall zugibt. Für dieses Geld kann man von der Schweiz aus in die USA fliegen und wieder zurück… nein, das kommt nicht in Frage, die spinnen doch, die Chilenen!!!
 Etwas frustriert sitzen wir mit unserem Gepäck am Flughafen und diskutieren bei einem Getränk, wie wir weiter vorgehen wollen. Die Enttäuschung können wir nicht aus unseren Gesichtern verbannen, versuchen aber trotzdem die Fassung zu bewahren und das Beste aus der Situation zu machen.
Da uns niemand sagen kann, wann die Grenze wieder öffnet, beschliessen wir am Busbahnhof ein Ticket für den Folgetag zu buchen. Somit hätten wir immer noch die Möglichkeit, das Mietauto mehr oder weniger pünktlich zu übernehmen und die Reise fortzusetzen. Wer weiss, vielleicht klappt es ja… im Anschluss gehen wir zurück in unser Majestic Hotel, da wir hier alles haben, was wir brauchen (gutes Frühstück, ein sauberes Zimmer, ein flauschig weiches Bett mit guten Kissen, Warmwasser, WIFI und einen Föhn sowie saubere, täglich frische Bade- und Handtücher, Herz, was willst du mehr?). An der Rezeption werden wir etwas ungläubig angeschaut, aber bekommen dann wieder ein Zimmer, wo wir uns einnisten für den Tag. Da das Wetter immer noch wirklich schlecht ist, lümmeln wir etwas rum, ohne grossen Plan und ohne grosse Ambitionen. Am Abend müssen wir unbedingt etwas für das Gemüt machen und gehen in ein brachiales Steakhouse und framslen uns den ganzen Frust vom Teller! Und es nützt, die Stimmung ist super und wir gehen glücklich zurück in unser Hotel.

Sonntag, 27. Mai 2012 – Santiago nach Mendoza, 2. Versuch

Es ist Sonntag und wir haben bereits um 8.40 einen Bus nach Mendoza gebucht. Jedoch versuchen wir, bevor wir wieder mit dem ganzen Gepäck an den Busterminal hanseln, die Hotline der Busgesellschaft anzurufen um rauszufinden, ob die Grenze wieder offen ist. Doch, da Sonntag ist, kommt bei der Hotline lediglich das Besetztzeichen. Immerhin, könnte man sich da jetzt sagen, aber wirklich weiter bringt es uns leider auch nicht. Damit wir die letzte Chance vielleicht nutzen können, packen wir wieder unsere sieben Sachen, checken beim Hotel wieder aus, gehen wieder an die Metrostation… doch leider hat die noch geschlossen. Vor 8 Uhr geht am Sonntag gar nix. Nun denn, wir schnappen uns ein Taxi und landen kurz darauf bei diesem Busterminal. Fehlanzeige… leider ist die Grenze nach wie vor geschlossen… wir versuchen, uns die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Eine knappe Stunde nach dem Auschecken stehen wir schon wieder in der Hotelhalle vom Majestic. Immerhin müssen wir kein drittes Mal die Check-In-Formalitäten ausfüllen.
Okay, wiederum ist Kreativität gefragt. Wir versuchen nun, die Mietwagenbuchung irgendwie abzuändern, sodass wir noch ein paar Tage in Chile mit der Karre unterwegs sein können. Dies wird aber so vermutlich auch nicht ganz einfach, da wir über einen Vermittler in Deutschland gebucht haben. Nun, wir lassen uns überraschen und bleiben einfach mal gut gelaunt. Ansonsten fällt uns ganz bestimmt was anderes kreatives ein…