Dienstag, 22. Mai
2012 – ein Tag zum Auftanken
Das Hotel, in welchem wir uns in Samaipata befinden, gefällt
uns sehr. Die Leute sind sehr freundlich, das Frühstück ist schlichtweg der
Hammer, die Sonne scheint und auch sonst ist eigentlich alles wunderbar. Darum
beschliessen wir, an dem heutigen Tag unsere Batterien wieder etwas
aufzutanken. Wir nehmen uns daher nicht viel vor, geben unsere schmutzigen
Trekking-Kleider in die Reinigung, putzen unsere Schuhe, halten die Erlebnisse
der letzten Tage fest und lassen innerlich den gesamten Dschungeltrip nochmals
revuepassieren. Eigentlich war es wirklich haargenau das, was wir suchten und
sind froh, dass wir es auch gefunden haben…
… apropos finden: nebst dem, dass uns natürlich unzählige
Mücken gefunden und ausgesaugt haben, hat es wohl im ganzen Amboro Nationalpark
nun keine Zecken mehr, da alle ihren Weg an unseren Körper gefunden haben.
Jawohl, man glaubt es kaum. Nachdem wir den ersten entdeckt haben, gab es eine
gegenseitige (recht spannende) Komplett-Such-Aktion! Und bei näherer
Betrachtung stellten wir fest, dass tatsächlich viele dieser Tierchen sich
krampfhaft an unserer Haut festgebissen hatten. Sogar zwischen den Zehen haben
wir eine Armada von diesen Schmarotzern entdeckt. Zum Glück ist die Haut dort
aber etwas zäher, sodass sie wohl sehr erschöpft einfach versuchten, die
Stellung zu halten. Ausgerüstet mit Pinzette und Taschenlampe wurden sämtliche
Winkel abgesucht und wir hoffen, dass wir nun alle erwischt haben.
Mittwoch, 23. Mai
2012 – Back to Start und Planung der Weiterreise
Nach einem wiederum sagenhaften Frühstück und dem Erhalt der
Wäsche geht es heute weiter. Wir packen unsere Rucksäcke und das Ziel ist
erneut Santa Cruz. Mit dem Taxi fahren wir diesmal für die Hälfte des Preises
für die Hinfahrt zurück. Es ist also eine Illusion zu glauben, dass man hier
nicht gerupft wird wie eine fette Weihnachtsgans. Aber hier merkt man es nicht
so stark – oder erst im Nachhinein.
Im Hotel Aeronautica in Santa Cruz liessen wir uns nieder.
Und offen gestanden, diese Stadt gefällt uns nicht. Auf uns wirkt sich
unorganisiert, laut, unaufgeräumt… aber egal, sie muss uns ja auch nicht
gefallen, wir wollen nur nett übernachten und die Weiterreise buchen. Und
beides stellt sich als nicht ganz so einfach raus. Am Nachmittag betreten wir
ein relativ grosses und von aussen modernes Reisebüro – aber das Kriterium ist
eigentlich dies, dass ein VISA Zeichen vorne an der Tür klebt. Von Santa Cruz
aus möchten wir nach Argentinien reisen, am liebsten nach Mendoza oder dann
nach Buenos Aires. Als wir das Büro betreten, kommt es mir vor wie im Film Back
to the Future, wo Michael J. Fox in seinem DeLorean auf einmal im Jahr 1955
landet… da standen Schreibmaschinen rum, die Telefone waren noch mit
Wählscheibe und selbst die Frisuren der Angestellten erinnerten an längst
vergangene Zeiten. Nun denn, ganz so schlimm war es dann doch nicht – aber
trotzdem. Ein Direktflug nach Mendoza geht nicht, man muss über Buenos Aires
fliegen. Das wiederum ist mit der BOA (Bolivianischen Airline) ab Santa Cruz nur
möglich, wenn man gleichzeitig ein Flugticket vorweisen kann, mit welchem man
Argentinien auch wieder verlässt. Sehr spannend. Das haben wir nicht, wollen
wir natürlich auch nicht. Okay, dann gibt es noch die Möglichkeit des Flugs mit
der Argentinischen Airline, kostet hingegen genau 3x so viel. Kommt auch nicht
in Frage. Mist. Gut, dann ändern wir zähneknirschend unsere Pläne und wollen
nach Santiago in Chile fliegen, damit wir dort mit dem Bus nach Mendoza gehen
können, was lediglich 7 Stunden dauert. Ja, das ist leider ab Santa Cruz auch
nicht möglich, aber es gibt eine Möglichkeit des Flugs von Santa Cruz nach La
Paz und von La Paz dann nach Santiago. Okay, das klingt wiederum vernünftig.
Dumm nur, dass ausgerechnet dieser Flug nicht mit der VISA bezahlt werden kann,
warum wissen die Götter.
Allgemein gilt es hier festzuhalten, dass gerade in Bolivien
die Kreditkarte ein echtes Tabuthema ist. Entweder wird sie nicht genommen,
oder zwar akzeptiert, einfach nicht für diese Leistung, die man gerne hätte, oder
aber man schlägt locker 10 – 15% drauf, sodass man gar nicht auf die Idee
kommt, sie zu zücken.
Also, nach intensivster Bearbeitung des Geldautomaten haben
wir dann die nötigen flüssigen Mittel beisammen um den Flug zu buchen. Leider
haben wir erst viel später gesehen, dass der Flug von La Paz nach Santiago noch
mit 2 (!!!) Zwischenstopps versehen ist. Aber egal, wir waren einfach nur froh,
die Weiterreise in der Tasche zu haben.
Ohne Abendessen – da wir am Mittag tüchtig zugeschlagen
haben – gingen wir zurück in unser Hotel Aeronautica, welchen Namen man
aufgrund der Geschehnisse auch ohne Übertreibung auf Nautilus hätte abändern
können. Denn an besagtem Abend begann es in Santa Cruz zu regnen und zwar wie
aus Kübeln. Tämi bemerkte noch, dass unterhalb des geschlossenen Fensters ein
kleines Rinnsal war und das nächste Mal, als ich die Füsse auf den Boden
stellte, bemerkte ich einen Wasserfilm, der die gesamte Fläche von unserem
kleinen Zimmer überzog. Es regnete überall rein und wir kamen uns vor, wie ein
paar Nächte zuvor im Zelt… nach kurzer Überlegung liessen wir das geplante
Moffeln jedoch sein. Schliesslich mussten wir sowieso am Morgen bereits um 4.45
Uhr raus, da der Flieger schon kurz nach 6 ging – und so amüsierten wir uns
dennoch und freuten uns enorm, dass dies nicht unser Hotel war und schliefen –
bei relativ hoher Feuchtigkeit – alsbald ein!
Donnerstag, 24. Mai
2012 – von Santa Cruz nach Santiago
Heute ist ein Reisetag und wir freuen uns wahnsinnig darauf,
denn unserem nassen Zimmer trauern wir keine Sekunde nach. Auf dem Bett (da
dort kein Wasser) ziehen wir uns an (inklusive Schuhe), schnappten unsere
Rucksäcke und auf geht die wilde Fahrt. Zuerst zum Flughafen und dann mit der
TAM (Transporte Aereo Militar) nach La Paz. Wenn schon die Fluggesellschaft
„Militär“ im Namen trägt, dann erwartete ich mindestens ein Salutieren bei dem
Betreten der Maschine, oder einem waghalsigen Manöver bei Start und / oder
Landung oder zumindest strammen Stewardessen in Tarnkleidung. Leider alles
Fehlalarm. Bis auf die sehr karge Sitzpolsterung und die Kotztüte liess nichts
aufs Militär schliessen. In La Paz warteten wir dann gute 5 Stunden auf den
Weiterflug, welcher dann – wie erwähnt – mit zwei Zwischenstopps verziert
wurde. Kurz vor 19 Uhr waren wir dann in Santiago angekommen, einer Metropole
mit über 6 Mio Einwohnern.
Bereits während der Taxifahrt ins Zentrum wurde uns klar,
dass wir jetzt in einer ganz anderen Welt gelandet sind. Den Chilenen geht es
massiv besser, als den Bolivianern, zumindest wurde dieser Eindruck bereits auf
der Taxifahrt ins Zentrum vermittelt. Die Autos sind besser, viel besser, die
Strassen ebenfalls, der Flughafen sowieso… und natürlich ist auch das
Preisniveau sehr viel höher. Egal, dachten wir uns, Hauptsache jetzt ein
anständiges Hotel finden, etwas leckeres essen und die Strapazen des Tages
vergessen. Das etwas in die Jahre gekommene Hotel Majestic bietet uns ein
Zimmer zu einem Vorzugspreis an und wir buchen zwei Nächte. Zum einen wollen
wir einen Eindruck der Stadt gewinnen und zum anderen auch noch die Weiterreise
nach Mendoza organisieren.
Im Ocean Pacific essen wir dann ein Fisch-intensives
Abendessen. Durch eine Luke steigt man ein, alle Kellner in Matrosenuniform und
der Kapitän mit weissem Vollbart stapft den ganzem Abend um die Tische um sein
Seemannsgarn unter die Leute zu bringen. Für unseren Geschmack etwas zu viel
des fischigen, aber wir wollen uns nicht beklagen.
Freitag, 25. Mai 2012
– Santiago
Heute machen wir wiederum nicht allzu viel, schliesslich
haben wir ja Urlaub. So gönnen wir uns ein etwas spätes Frühstück und machen
uns dann auf für die Reservation des Busses nach Mendoza für den Folgetag. Nach
dem Besuch von ein paar Märkten und ein paar Einkaufszentren ziehen wir uns
auch schon wieder genüsslich in unser majestätisches Hotelzimmer zurück und
buchen per Internet noch Hotel und Mietwagen für Mendoza. Im Ausgangsviertel
von Santiago finden wir eines von zahlreichen wunderbaren kleinen Bistrots,
essen ein herrliches Abendessen und gönnen uns eine feine Flasche einheimischen
Weins. Das allerbeste an diesem Bistrot ist die Tatsache, dass man zum Abschied
eine Flasche des getrunkenen Weins mit nach Hause bekommt. Quasi nach dem
Motto: Drink one – get one free. Welch wunderbare Idee, die unbedingt in den
CH-Restaurants Einzug finden sollte.
Samstag, 26. Mai 2012
– Santiago nach Mendoza, 1. Versuch
Heute brechen wir auf nach Mendoza und freuen uns beide
wahnsinnig auf Argentinien, die feinen, glücklichen, mit Kräuter gefütterten
und vom Gaucho auf der Weide sanft massierten Hochlandrinder auf dem Teller,
die weltweit bekannten edlen Tropfen aus dem Mendoza Gebiet und noch etwas das
Argentinische Flair, bevor es dann wieder zurück in die Heimat geht.
Irgendwie haben wir nach diesen paar Tagen in Santiago auch
die Nase voll. Es hat ununterbrochen geregnet und wir empfinden es hier viel zu
Europäisch für unseren Geschmack, dies kann gut und gerne noch etwas warten.
Alles ist parat, die Rucksäcke gepackt und in die
Transporthülle gewickelt, wir – ausgerüstet mit genügend Proviant – auf die
7stündige Reise vorbereitet und erwartungsvoll stehen wir am Gate 22 wo der Bus
nach Mendoza um kurz vor 12 Uhr starten soll. Das Mietauto für den Folgetag ist
klar gemacht und alles passt. Super!
Doch leider steht da kein Bus und es kommt auch keiner.
Langsam werden wir etwas misstrauisch und gehen mal schüchtern an die
Information. Dort verwirft man die Hände: Bedingt durch die brachialen
Niederschläge der letzten Tage ist der Grenzübergang in den Bergen zwischen
Chile und Argentinien komplett zu- und eingeschneit. Die Grenze wurde aufgrund
dieser dramatischen Wetterlage vorübergehend geschlossen. Hmmm… kein Bus, kein
Grenzübertritt, kein Hotel, kein Mietwagen… spannend. Jetzt ist Kreativität
gefragt.
Im Anflug von eben dieser Kreativität gehen wir mit Sack und
Pack an den Flughafen und hoffen, dort spontan einen Flug nach Mendoza buchen
zu können. Dies könnten wir auch, jedoch verlangt die Chilenische LAN für
diesen ca. 30 Minuten Flug sage und schreibe 1‘400 USD, was wir zwar bezahlen
könnten, uns aber der Kopf auf keinen Fall zugibt. Für dieses Geld kann man von
der Schweiz aus in die USA fliegen und wieder zurück… nein, das kommt nicht in
Frage, die spinnen doch, die Chilenen!!!
Etwas frustriert
sitzen wir mit unserem Gepäck am Flughafen und diskutieren bei einem Getränk,
wie wir weiter vorgehen wollen. Die Enttäuschung können wir nicht aus unseren
Gesichtern verbannen, versuchen aber trotzdem die Fassung zu bewahren und das
Beste aus der Situation zu machen.
Da uns niemand sagen kann, wann die Grenze wieder öffnet,
beschliessen wir am Busbahnhof ein Ticket für den Folgetag zu buchen. Somit
hätten wir immer noch die Möglichkeit, das Mietauto mehr oder weniger pünktlich
zu übernehmen und die Reise fortzusetzen. Wer weiss, vielleicht klappt es ja…
im Anschluss gehen wir zurück in unser Majestic Hotel, da wir hier alles haben,
was wir brauchen (gutes Frühstück, ein sauberes Zimmer, ein flauschig weiches
Bett mit guten Kissen, Warmwasser, WIFI und einen Föhn sowie saubere, täglich
frische Bade- und Handtücher, Herz, was willst du mehr?). An der Rezeption
werden wir etwas ungläubig angeschaut, aber bekommen dann wieder ein Zimmer, wo
wir uns einnisten für den Tag. Da das Wetter immer noch wirklich schlecht ist,
lümmeln wir etwas rum, ohne grossen Plan und ohne grosse Ambitionen. Am Abend müssen
wir unbedingt etwas für das Gemüt machen und gehen in ein brachiales Steakhouse
und framslen uns den ganzen Frust vom Teller! Und es nützt, die Stimmung ist
super und wir gehen glücklich zurück in unser Hotel.
Sonntag, 27. Mai 2012
– Santiago nach Mendoza, 2. Versuch
Es ist Sonntag und wir haben bereits um 8.40 einen Bus nach
Mendoza gebucht. Jedoch versuchen wir, bevor wir wieder mit dem ganzen Gepäck
an den Busterminal hanseln, die Hotline der Busgesellschaft anzurufen um rauszufinden,
ob die Grenze wieder offen ist. Doch, da Sonntag ist, kommt bei der Hotline
lediglich das Besetztzeichen. Immerhin, könnte man sich da jetzt sagen, aber
wirklich weiter bringt es uns leider auch nicht. Damit wir die letzte Chance vielleicht
nutzen können, packen wir wieder unsere sieben Sachen, checken beim Hotel
wieder aus, gehen wieder an die Metrostation… doch leider hat die noch
geschlossen. Vor 8 Uhr geht am Sonntag gar nix. Nun denn, wir schnappen uns ein
Taxi und landen kurz darauf bei diesem Busterminal. Fehlanzeige… leider ist die
Grenze nach wie vor geschlossen… wir versuchen, uns die Enttäuschung nicht
anmerken zu lassen. Eine knappe Stunde nach dem Auschecken stehen wir schon
wieder in der Hotelhalle vom Majestic. Immerhin müssen wir kein drittes Mal die
Check-In-Formalitäten ausfüllen.
Okay, wiederum ist Kreativität gefragt. Wir versuchen nun,
die Mietwagenbuchung irgendwie abzuändern, sodass wir noch ein paar Tage in
Chile mit der Karre unterwegs sein können. Dies wird aber so vermutlich auch
nicht ganz einfach, da wir über einen Vermittler in Deutschland gebucht haben.
Nun, wir lassen uns überraschen und bleiben einfach mal gut gelaunt. Ansonsten fällt
uns ganz bestimmt was anderes kreatives ein…
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