Montag, 28. Mai 2012
– die Reise geht weiter!
Am Vortag hatten wir in der Tat noch einen ganz kreativen
Einfall. Zunächst aber kam der nächste Dämpfer, die Mietwagenbuchung konnten
wir leider nicht mehr auf Chile transferieren, somit ist diese Kohle tüchtig in
den Sand gesetzt. Nun denn, mit frischem Mut besorgten wir uns noch einen
Reiseführer von Chile, denn eine gute Strassenkarte hatten wir von lieben
Freunden bereits erhalten.
Den Abend genossen wir dann mal auf eine ganz andere Art und
Weise. In einem Geschäft in Santiago entdeckte der Ehemann der Reisegruppe
wahnsinnig lecker anmutende Fleischspezialitäten. Zum einen, um sie in rauen
Mengen nach Hause zu schleppen und dort einzulagern, zum anderen aber auch für
den sofortigen Verzehr gedacht. So deckten wir uns in diesem Geschäft mit
allerhand Leckereien ein und dackelten zurück ins Majestic. An jenem Abend
wurde auf HBO der 4. Teil der Reihe Fluch der Karibik gezeigt. So öffneten wir
eine deliziöse Flasche chilenischen Rotwein und genossen das Kinospektakel vom
Hotelbett aus und verwöhnten uns mit feinen Häppchen auf Toscana-Brot. Es war
fantastisch, wenn auch der Film eher mässig war…
Doch eigentlich geht es ja um die Weiterreise. Am Morgen
checkten wir zum letzten Mal aus dem Majestic aus und irgendwie war es auch an
der Zeit, weiter zu ziehen. Mit dem Taxi ging es zur Mietzentrale von Alamo, wo
wir uns für 10 Tage ein Auto mieten wollen. Sogar mit dem Taxifahrer parlierten
wir, als wären wir (beinahe) Einheimische und es schmeichelte uns grenzenlos,
dass er uns (beide) mindestens 10 Jahre jünger geschätzt hatte, als wir
tatsächlich sind. Ja, das gute Schweizer Klima…. Egal, bei Alamo klappte alles
– auch ohne Reservierung – ganz hervorragend und in Null-Komma-Gar-Nichts
kurvten wir elegant und zielsicher durch Santiago. Ja, man kann sagen, es
flackerte neuer Reisemut auf!!! Das Ziel war Süden und wir steuerten los…
Nach einer knappen Stunde hatten wir auch die Autobahn
gefunden, die uns aus dem Moloch rausbrachte. Retrospektiv kann man sagen, dass
Santiago viel Europäischer ist, als uns dies lieb war. Sie sind uns einfach
viel zu ähnlich und leider auch das Preisniveau. Herkommend von Peru und dann
on top noch Bolivien, war es in der Tat etwas ein (Preis-) Schock, den wir nun
aber (mit viel Fleisch im Gepäck) sauber überwunden hatten. Das Ziel nun ist
eigentlich klar, möglichst rasch möglichst südlich kommen, damit wir im
Anschluss gemütlich von Nationalpark zu Nationalpark die Rückreise nach
Santiago in Angriff nehmen können.
Zum Autofahren ist Chile ein fantastisches Land. Die
Autobahn ist hervorragend in Schuss und es gibt in der Tat fast kein Verkehr.
Man befindet sich meist ganz alleine auf weiter Bahn, ab und an überholt man
mal einen Lastwagen, aber ansonsten ist alles komplett entspannt.
Rund 300 Kilometer südlich von Santiago verbringen wir in
Linares unsere erste Nacht und staunen nicht schlecht, als uns das Hotel den
gleichen Preis abknöpfen will, wie in unserem vielfach erprobten Majestic
Hotel. Mit irgendwelchen fantastischen Discounts kam’s aber dann doch nicht so
tragisch. Viel tragischer war aber die Tatsache, dass dieses liebevolle Kaff
eigentlich fast keine Beizen hat, wo man mit einer Dame einkehren kann. Dennoch
gingen wir dann in einen Spunten (quasi eine Knelle) und setzten uns an einen
speckigen Holztisch. Inspiriert von der Atmosphäre und umgeben von
Einheimischen begannen wir dann, etwas unanständige, leicht obszöne aber enorm
spannende Themen zu diskutieren. Als sich die Backen (im Gesicht) bereits röteten,
fragte uns unser Tischnachbar, von wo wir denn eigentlich herkommen. SUIZA,
lautet unsere stolze Antwort, und die vorhergehenden Themen hatten wir schon
fast vergessen,… bis der Mann mit perfektem Deutsch gesagt hatte, dass er sich
dies bereits gedacht hatte… verdammt! Er habe Kinder, die beide in Deutschland
studieren, habe selber einen Moment in Heidelberg gelebt und könne bereits
Züridütsch von Bärndütsch unterscheiden…. Oi oi oi oi, und sofort war sie
wieder da, die Röte in den Backen und wir waren froh, als endlich das Essen
kam.
Dienstag, 29. Mai
2012 – heading south!
Heute wollen wir primär Kilometer machen, Distanz zwischen
uns und Santiago bringen und so reisen wir rund 600 Kilometer in den Süden. Am
Bild der Autobahn verändert sich nicht viel. Die ist nach wie vor super in
Schuss und der Verkehr quasi inexistent. Nur die ewigen Zahlstellen gehen uns
etwas auf den Kecks, zumindest stellen sie dort immer adrette Damen hin, die
mit ihrem Lächeln das Zücken von ein paar Scheinen einfacher machen…
Dennoch gibt es auf der Autobahn markante Unterschiede zu
Europa. Es kommt nicht selten vor, dass man Fussgänger antrifft… diese warten
wohl auf den Bus oder sie pilgern zur nächsten Haltestelle – und genau das ist
auch sehr interessant, auf der Autobahn gibt es Haltestellen für Busse. Um Zeit
zu sparen und da die Gelegenheit an Ausfahrten nicht so zahlreich ist, sind die
Haltestellen kurzerhand rechts auf dem Pannenstreifen integriert worden. Ebenfalls
Traktoren oder Bagger sind keine Seltenheit, die bei einer eigenen
Reisegeschwindigkeit von konstant 120 auf einmal brutal rasch näher kommen.
Nebst Hühnern sind uns auch die Velofahrer aufgefallen, die mal in diese, mal
in jene Richtung radeln. Zwar herrscht in der Tat nicht allzu viel Verkehr,
dennoch gilt es stets, die Augen offen zu halten.
Nach einem Tag im Auto kommen wir am frühen Abend in
Valdivia an, einem Ort naher der Küste zum Pazifik. Es ist eine Stadt, mit rund
150‘000 Einwohner und wir finden auf Anhieb ein nettes kleines Hotel, welches
uns für die Nacht aufnimmt. Das Gute an der Nebensaison ist, dass es wirklich
überall Platz hat und jeder mit irgendwelchen Rabatten lockt, sodass wir wohl
kaum jemals im Auto schlafen müssen.
Das (mit gigantischem Abstand) Wunderbarste an diesem Tag
ist aber das Abendessen. Unweit von unserem Hotel liegt das Restaurant Parilla
de Thor. Und auch wenn uns die Reise durch Argentinien auf diesem Trip verwehrt
bleibt, so kann man sich in diesem Lokal zumindest annähernd ein Bild davon
verschaffen, was jenseits der Grenze abgeht. In diesem Restaurant thront ein
offener, lodernder und funkensprühender Grill, so gross, dass locker ein ganzes
ausgewachsenes Zart-Rind darauf Platz nehmen könnte (genau so einen hätte ich
Zuhause auch gerne). Da wir (typisch) natürlich die Ersten im Lokal sind, nimmt
sich der Chef sogar noch die Zeit, uns mit in die Küche zu nehmen. Dort, in
verschiedenen Kühltruhen, lagern mit Vorhängeschlössern gesichert, die
fleischlichen Schätze des Restaurants. Uns fallen schier die Augen aus, als wir
die Köstlichkeiten sehen, die uns der Cheffe da vorlegt. Noch im Rohzustand
können wir uns für unsere brachialen Fleischstücke entscheiden und er quittiert
dies mit einem leichten Grunzen und einem Gebrabbel, das wohl hätte heissen
sollen: eine gute Wahl, Freunde! Wunderbar… etwas später sitzen wir zurück an
unserem Tisch und geniessen einen kulinarischen Höhepunkt unserer Reise,
begleitet von einem fantastischen Merlot (aus Nationalstolz erhält man in
diesem Restaurant leider keinen Malbec aus dem benachbarten Argentinien) und
wir ergötzen uns ob den Schlemmereien auf unseren Tellern. Da wir von diesen
exorbitanten Fleischstücken so dermassen entzückt sind, füllen wir unsere
Wänste simultan schier bis zum Bersten! Auf das Dessert müssen wir leider
verzichten, wir können einfach nicht mehr…. Dafür gibt’s aber ein tüchtiges
Trinkgeld und bevor wir das Lokal verlassen, küsst der Kellner sogar noch meine
Ehefrau…(ich hätte am liebsten das Rind geküsst…) ja, ja, das sei hier so
üblich, trotzdem… ich darf ja auch nicht jede Dame an der Zahlstelle küssen…
insofern, kein Grund zur Panik, aber ich dachte mir schon, dass ich dies dann
im Reisebricht erwähnen sollte…
Mittwoch, 30. Mai
2012 – von Valdivia nach Chiloe
Die Nacht ist unruhig, zwar ist das Zimmer wunderbar, aber
es klingt, als würde die viel befahrene Strasse zwischen Bett und Badezimmer
verlaufen – und dies wohlgemerkt bei geschlossenem Fenster. Egal, ich träumte
noch von diesem fantastischen Fleisch und frage mich schon im Traum, wie ich
meine liebreizende Ehefrau überzeugen kann, dass wir auf dem Weg zurück nach
Santiago wieder hier Halt machen. Ist es legitim, einen Umweg von rund 80
Kilometern zu fahren, nur für ein enorm fantastisches Stück Fleisch? Gut, hier
scheiden sich die Geister, meiner schreit schon fast zweistimmig: JA!!!!!! Kaum
was anderes ist dermassen legitim!!! Mal sehen, wie dies die Copilotin,
Navigatorin und Verpflegungsmeisterin auffassen wird…
Nach dem Frühstück brechen wir wieder Richtung Süden auf.
Unser Ziel ist die Insel Chiloe, gleichzeitig der südlichste Punkt unserer
Reise. Vorbei an Osorno und Puerto Montt raffeln wir die notwendigen Kilometer
ab, bis wir in Pargua ankommen. Dort bringt uns die Fähre in rund 20 Minuten
rüber auf die Insel Chiloe. Auf dieser wollen wir zum einen Flamingos sichten,
vielleicht sogar noch ein paar Pinguine, allem voran wollen wir uns aber den
dortigen Nationalpark anschauen, der sehr schön sein soll.
In Ancud angekommen, lassen wir uns im Hostal Mundo Nuevo
nieder. Zwar ist es ein äusserst schönes und reizvolles Hostal. Die Zimmer
bieten allen Komfort und sogar das Bett ist wie ein Boot gezimmert. Wirklich
herrlich – nur der Betreiber ist ein Schweizer. Und wir haben uns nicht viel dabei
gedacht und sind dort aufgekreuzt. Irgendwie war er gar nicht so glücklich
darüber, Landsleute zu treffen. Vermutlich hat er auch seine Gründe, wieso er
aus der Schweiz ausgewandert ist. Wir auf der anderen Seite hatten schon länger
keinen direkten Kontakt mehr (face to face) mit einem Schweizer, sodass uns der
Aargauer Dialekt auch gerade etwas überrannt hat. Egal, wie gesagt, das Zimmer
ist super und wir überlegen uns, ob wir hier mehr als eine Nacht verbringen
wollen.
Bevor wir uns ein traditionell Chilenisches Abendessen
gönnen, machen wir noch eine erste Erkundungsfahrt ins nahe Cualin. Nachdem ich
meine Fahrkünste auf der durchlöcherten Offroadpiste unter Beweis stellen kann,
sehen wir weit aussen ein paar spannende Vögel und pirschen uns wie Mohikaner
auf leisen Sohlen an. Sobald die Tiere auf Seerohrtiefe waren – also, wir
meinen Feldstecher- und Kamerazoom-Distanz, erkannten wir nüchtern, dass wir
uns hier einer Horde trivialer Möwen genähert hatten. Nun, kurz dachten wir
daran, entweder einen solchen Vogel zu schnappen und ihn an Hals und Beinen so
zu zerren, bis man es als Flamingo hätten durchgehen lassen können… oder wir
überlegten uns die gekonnte Veränderung in Photoshop… beides liessen wir dann
bleiben. Doch ein paar Kilometer weiter wurden wir dann tatsächlich fündig.
Unweit des Ufers haben wir eine Gruppe Flamingos entdeckt und uns darüber
gefreut wie die Irren. Schön war auch, dass weit und breit überhaupt kein
anderer Tourist zu sehen war – genau so, wie wir das mögen. Nach ein paar wirklich
gelungen Fotos zogen wir glücklich wieder von Dannen.
Am Abend genossen wir ein traditionsreiches Curanto. Dabei
handelt es sich um ein Gericht, dass irgendwie wie eine Berner Platte ist,
jedoch ohne Sauerkraut dafür mit reichlich Muscheln. Es war herrlich. Das
Restaurant war sehr urchig, wie auch die Bedienung. Aber wenn man sich auf
Spanisch etwas Mühe gibt, dann taut auch der härteste Kellner auf und schenkt
uns ein Lächeln. Nach dem Festschmaus habe ich sogar noch den herrlichsten
Espresso Cortado unserer gesamten Reise getrunken. Der war sogar so wunderbar,
dass mir meine Ehefrau die Hälfte weg getrunken hat, mit der Frage auf den
Lippen: Du liebst mich doch, oder????
Donnerstag, 31. Mai
2012 – Regen satt!!
Da das Hostal wirklich wunderbar ist, haben wir uns
entschlossen, eine zweite Nach hier zu bleiben. Das Frühstück ist reichhaltig
und schmeckt sehr. Seit langem erhalten wir mal wieder ein selbstgebackenes
Vollkornbrötchen, welches herrlich schmeckt. Wir geniessen dies mit Konfi und
Dulce de Lecche und hoffen, dass das Zmorgen nie vorbei geht.
Irgendwann taucht der Schweizer auf, dem das Hostal gehört.
Der hat sich um 180 Grad gewendet gegenüber dem Vortag und findet nicht nur uns
mittlerweilen absolut super, sondern auch die Tatsache, dass wir eine weitere
Nacht bei ihm gebucht haben. Martin ist irgendwie ein spezieller Kauz. Gestern
hat er uns kaum beachtet und heute behandelt er uns, als wären wir mitunter die
besten Freunde. Er erzählt uns bereitwillig vom Leben hier in Chile und von den
Eigenheiten. Eine der spannendsten Geschichten ist zweifelslos diese der
Uniformierten Angestellten. Leute vom Militär, Forstschutz, Polizei und
Feuerwehr… diese müssen hier nur 25 Jahre arbeiten und haben danach den vollen
Rentenanspruch. Ich, im eher gehobenen Altersbereich, beginne sofort zu rechnen
und finde es schon fast eine Sauerei, dass ich nicht Chilenischer Polizist bin.
Nun denn, sei’s drum, arbeite ich halt noch weitere 30 Jahre. Egal. Auch die
sonstigen Eindrücke, die er hier gewonnen hat, sind wirklich äusserst
interessant. Doch irgendwann merken wir, dass er sich richtig gehend danach
gesehnt hat, mal wieder in Mundart zu sprechen… und uns wird es schon fast zu
viel. Da wir ihn nicht stoppen können, fragen wir ihn nach Highlights auf
dieser Insel. Aber auch hier lässt er sich kaum aus dem Konzept bringen und
holt Luft für ein viel zu langes Plädoyer. Egal, gekonnt und charmant
unterbrechen wir ihn und sagen ihm, dass wir nun endlich los müssen…. Und
gleichzeitig fragen wir uns, wie es möglich ist, dass der Grummel vom Vortag
heute zum absoluten Hardcore-Kaum-Zu-Bremsen-Kommunikator mutieren konnte.
Heute wollen wir mit dem Auto in den Nationalpark der Insel.
Der soll nicht nur super sein, sondern man kann dort sogar auch noch den einen
oder andere Trekk machen, was wir natürlich vorhaben. Okay, der Plan ist mal
wieder wirklich super, doch wir haben einen Überlegungsfehler gemacht. Es ist
Off-Season und das bedeutet, dass der Park zwar nicht geschlossen ist, aber
keine Sau dort ist – auch kein Parkwächter und auch kein Müdes „Ferkel“ an der
Tourist Info oder sonst wo. Und so fahren wir mit unserem Chevy zuerst gut 120
Kilometer in die Pampa, dann über ein paar Brücken weiter über moderate Gravel
Roads bis weiter zu kargen Schotterpisten, die jedes Rally Herz höher hätten
schlagen lassen. Jedoch wusste ich genau, dass ich die Karre auch wieder selber
aus dem Dreck hätte holen müssen, so war mein Fahrstil eher defensiv… leider.
Aus der Schotterpiste wurde irgendwann Sand und plötzlich war vor uns nur noch
der Pazifik. Tosend und mächtig, absolut einsam und auch etwas
furchteinflössend war vor uns nichts mehr als Wasser und Sand. Schade nur, dass
auch dieser Ausflug von Regen begleitet war, aber wir haben es zumindest
versucht. Ein paar Fotos liessen sich auch noch schiessen, dann wurde es uns zu
bunt (oder zu karg) und wir setzten gekonnt zum Rückweg an.
Wieder im Hostal, wollten wir genüsslich und in aller Ruhe
vor dem lodernden Feuer noch kurz die Geschehnisse der Welt im Internet
nachvollziehen und unsere Weiterreise planen… doch da haben wir die Rechnung
erneut ohne Martin – den Wirt – gemacht. Der joggelte schon vor Freude, als wir
wieder auf den Vorhof fuhren und liess uns keine Verschnaufpause auf dem Sofa,
schon labberte er uns mit Geschichten über die Facebook-Aktie und sonstige
kapitalistischen Machenschaften vor… er war – wie schon am Morgen – nur
wahnsinnig schwer zu bremsen. Doch, aus lauter Nächstenliebe, gönnten wir ihm
die Konversation in Mundart und spielten rund eine Stunde mit. Meine Frau kriegte
langsam Hunger und wer sie kennt weiss, dass dies gar kein gutes Omen für das
nächste Umfeld ist. Ich pflege bei unseren Exkursionen immer etwas Proviant
dabei zu haben, um exakt solchen Zwischenfällen vorzubeugen. Martin aber kannte
weder das Phänomen noch deren Folgen, wenn meine Frau hungrig und gelangweilt
ist. So genoss ich das Spektakel einer völlig desinteressierten Frau und einem
völlig macht- und hilflosen Schweizer Auswanderer, bis ich – als wiederum
wahnsinnig kluger Ehemann – mit dem Vorschlag kam: Frau, lass uns essen gehen!
In dem Augenblick erhellt sich der Ausdruck auf Tämis Gesicht, Martin
verabschiedete sich und wir gingen ins nahe gelegene Casa Mar Abendessen.
Freitag, 1. Juni 2012
– uns ist nach… Hot Springs!!!
Was man diesem Schweizer Hostal absolut hoch anrechnen muss,
ist das fantastische Frühstück. Das war wirklich sehr, sehr lecker und wir
haben das selber gebackene Mehrkornbrot in vollen Zügen genossen. Mindestens im
gleichen Ausmass haben wir genossen, dass Martin noch nicht anwesend war. Denn bereits
in den Morgenstunden eine solche Dröhnung an Informationen ist einfach zu viel,
zumal es der zweite Morgen in Folge gewesen wäre… aber wir haben Glück.
Kurze Zeit später ist unser Gepäck verstaut, das Zimmer bezahlt
und wir auf dem Weg wieder zurück in den Norden. In der Tat ist das Wetter in
der letzten Woche nicht auf unserer Seite gewesen. Klar, es liegt auch daran,
dass je tiefer wir in den Süden kommen, je mehr Herbst wird es – und das merkt
man. Seit unserer Ankunft in Santiago hat es fast nur noch geregnet. Zwar ist
dies, wenn man im Auto unterwegs ist, nicht allzu tragisch, dennoch limitiert
es natürlich die Möglichkeiten und auch den Antrieb, draussen etwas zu
unternehmen. Insofern ist der Besuch von Nationalparks nicht besonders reizvoll
und auch ein Pferdetrip über einen Vulkan ist irgendwie nicht genau das, wonach
uns der Sinn bei diesen Regenmassen ist. Darum entschliessen wir uns, zu den
Thermalquellen von Huife zu fahren und uns dort in einem Luxusresort
niederzulassen. Das klingt wirklich fantastisch und die Anfahrt dorthin (rund
500 Kilometer) wäre auch malerisch, wenn man etwas davon sehen würde… Jedoch
ist die Sicht relativ bescheiden und der Regen kreiert auf der Stresse
teilweise kleine Seen, welche die Lenkung von unserem Mietkarren kurzfristig
übernehmen!
Einen kleinen Zwischenbericht in Anspielung an ein anderes
Highlight gibt es noch: Meine Ehefrau hat mir nicht erlaubt, nochmals über
Valdivia zu fahren und dort eines der besten überhaupt Fleische zu essen. Da
wollte ich schon zu einer wahnsinnigen Revolte ausholen, als sie mich mit einer
Alternative besänftigt hat. In Osorno, was überdies viel klüger direkt auf
unserem Weg liegt, gibt es ein Restaurant, welches Las Brasas heisst. Ein wunderbarer
Ort (wir meinen das Restaurant). Grummelnd und ohne Lautstärke moffelnd fuhr
ich am frühen Nachmittag auf den Parkplatz von eben diesem Restaurant gefahren.
Ein lecker Mittagessen soll es sein –
und da wurde es auch! Ich meine, wer darf sich schon zum Mittagessen ein gut
500grämmiges Hammer-Fleisch gönnen und wird dabei von der Frau noch
unterstützt? Eben, sag‘ ich doch, ich habe die Beste von allen! Dazu ein
alkoholfreies Bierchen und zufrieden und völlig überessen machen wir uns auf
den verbleibenden Weg.
Endlich sind wir angekommen. In diesem „Luxusresort“ ist in
der Tat der Preis sehr luxuriös, zumindest für Chilenische Verhältnisse. Egal,
denken wir uns, denn wir sind so müde, dass wir nicht mehr weiterfahren wollen.
Das Zimmer ist der absolute Hammer, das Bett ist riesengross, der Fernseher
auch, mit rund 400 Kanälen, dazu ein kleiner Schwedenofen, den man selber
befeuern kann und ein Bad, welches schon für sich eine Wellnessoase ist.
Fantastisch – es gefällt uns auf Anhieb und der Preis scheint uns sofort
gerechtfertigt. Die beiden Thermalbäder sind 24 Stunden geöffnet und so gönnen
wir uns nach einem leichten Abendessen noch einen exklusiven Schwumm im über
30grädigen Wasser. Es ist herrlich und wir haben die Pools völlig für uns
alleine. Oben – wie könnte es auch anders sein – regnet es uns auf den Kopf und
unten ist es kuschelig warm. Danach genossen wir unser Zimmer und ich – als
quasi Feuerscheff – war für den Schwedenofen verantwortlich. Es war herrlich,
was man aber vom darauffolgenden Frühstück nicht unbedingt sagen konnte…
Samstag, 2. Juni 2012
– ein Luxusfrühstück!
Nun denn, wir wissen, dass unsere Ansprüche langsam etwas
hoch sind. Jedoch haben wir auf der Reise bewiesen, dass wir auch in ganz
einfachen Verhältnissen eine wunderbare Zeit verbringen können. Wenn wir aber
über 200 USD die Nacht hinblättern, dann erwarten wir zum Frühstück diverse
Specksorten, kross gebraten, Früchte, Eier, Brote, Aufschnitt und alles, was
dazu gehört. Das Zmorgen hier entspricht nicht ganz unseren Erwartungen und in
Gedanken bin ich immer noch beim ultimativen Fleischgenuss vom gestrigen Mittag
und suche vergeblich all die kross gebratenen Specktranchen. Ich verzichte nun
absichtlich darauf, meinem Frust noch weiter Luft zu verschaffen…
Wie erwähnt, unser Zimmer ist herrlich. Wir geniessen es in
vollen Zügen und machen einfach mal nicht allzu viel. Der Schwedenofen ist ein
Hochgenuss und wir feuern ihn ein, bis unser Raum auf über 30 Grad geheizt ist.
Schade nur, dass meine Frau schwitzend darum bittet, endlich die
Feueraktivitäten einzustellen, denn ich hätte es locker noch etwas weiter
treiben können. Als Entschädigung machen wir einen ausgiebigen Besuch in allen
Thermalbädern, die das Hotel zu bieten hat und die sind wirklich herrlich. In
dieser wunderbaren Atmosphäre lassen sich enorm gute Zukunftspläne schmieden…!!
Da wir vom Rest der Anlage eigentlich sehr enttäuscht sind
und unser Zimmer im Gegenzug absolut super finden, gönnen wir uns ein
Abendessen auf dem Zimmer. Dies mit Wein, Crackers und Aufschnitt und finden es
absolut herrlich.
Sonntag, 3. Juni 2012
– Hot Springs ade und zurück Richtung Norden
Heute verabschieden wir uns von den Hot Springs mit beidem,
einem weinenden und einem lachenden Auge. Das weinende gilt den Hot Springs
selber. Es ist einfach wahnsinnig entspannend, zusammen durch das 30grädige
Wasser zu planschen und zu wissen, dass man sonst gar nix mehr zu tun hat. Das
lachende Auge gilt dem Buchhalter in unseren Adern, der den stolzen Preis für
die Übernachtung im Prinzip viel zu hoch findet… aber, es geht noch krasser,
mehr dazu aber später!!!
Zwar ist unsere Stimmung immer noch gut, aber der anhaltende
Regen der letzten 10 Tage macht uns zu schaffen. Es bedarf dringend einer
Änderung und so entschliessen wir uns, heute so rasch als möglich viele
Kilometer in den Norden zu raffeln. Des Kapitäns Wunsch ist des Steuermann’s
Befehl und so versuche ich möglichst elegant möglichst rasch viele Kilometer
hinzukriegen. Und siehe da, als quasi Ritter der Autobahn gelingt es mir auch.
Das erstaunlich daran ist, je weiter wir nördlich kommen, umso besser wird das
Wetter. Nach 7 Tagen permanentem Regen sehen wir das erste Mal wieder die Sonne
und lassen sogleich unsere Haut und unsere Seele wärmen.
Da dieser Tag geprägt ist von rund 600 Autobahnkilometern,
gibt es sonst leider nicht allzu viel zu erzählen. Der erste
Übernachtungsversuch in Curico schlug leider fehl – wir fanden schlicht kein
Hotel / Motel / Hostel oder sonst was. Also fuhren wir weiter nach Norden bis
San Fernando, wo wir in einem kleinen, einfachen Hotel Unterschlupf für die
Nacht gefunden haben.
4. Juni 2012 –
Valparaiso, ein Chaos auf hohem Niveau
Nach weiteren 300 Kilometern
(kleinere wunderschöne Umwege miteingerechnet) kommen wir in Valparaiso an. Das
ist eine verrückte Welt auf der Höhe von Santiago, jedoch an der Pazifikküste.
Und hier – man glaubt es kaum – scheint die Sonne uns es lacht uns ein
stahlblauer Himmel entgegen. Die Sonnenstrahlen verwöhnen unsere regengeplagte
Haut (allem voran die Windschutzscheibe) und wir geniessen das Gefühl endlich
mal wieder auf trockener Fahrbahn unterwegs zu sein.
So hart es klingen mag, langsam aber
sicher neigen sich unsere Ferien dem Ende zu. Damit wir dies noch mit einem
gebührenden Paukenschlag zu Ende bringen können, reservieren wir uns in
Valparaiso ein Wahnsinns-Hotel. Wir haben uns entschlossen, zu diesem
Etablissement keine Einzelheiten bekannt zu geben, aber wir haben die Suite mit
Dachterrasse gemietet, dies für zwei Nächte. Der Blick, der sich von hier aus
auf die Stadt erstreckt, ist atemberaubend. Wir zücken simultan die Kameras und
sind froh, endlich mal wieder ein Motiv bei Sonnenschein abzulichten, als immer
nur ein Regenbild zu schiessen mit der Illusion, es sei wahnsinnig mystisch!!
Ja, hier lässt es sich wirklich aushalten
und wir geniessen es mit einem Stadtbummel zu Fuss. Das Auto lassen wir bei dem
Chaos lieber stehen und bewegen uns mit den eigenen Beinen und nötigenfalls mit
dem Taxi.
Die letzten Tage wollen wir uns
kulinarisch noch etwas verwöhnen. Von Seafood über die beste Pasta der Stadt
bis hin zu den brachialen Fleischstücken soll diese Stadt alles bieten. Jedoch
gibt es wohl für das Reisetagebuch nicht mehr allzu viel zu berichten… aus
diesem Grund schliessen wir mit dem heutigen Tage die offizielle Berichterstattung.
Hoffentlich konnten wir mit unseren Schilderungen dem Leser ein paar Eindrücke
vermitteln, was wir während diesen Wochen erlebt haben und wie wir es empfunden
haben. Durch die Veröffentlichung auf unserem Reiseblog hatten die
Interessierten die Möglichkeit, ab und an einen Kommentar zu hinterlassen, was
uns wahnsinnig gefreut hat. Wir geniessen diese Zeichen aus der Heimat immer
sehr und freuen uns ob der Wertschätzung bezüglich der so möglichen Teilnahme
an unserer Reise.
Nachdem wir den morgigen Tag in
Valparaiso verbringen werden, reisen wir am Mittwoch zurück nach Santiago. Am
Donnerstag geht dann unser Flug von Santiago nach Paris und am Freitag weiter
von Paris nach Zürich, wo wir hoffentlich am Nachmittag irgendwann heil in
unserem Zuhause in LA ankommen werden.
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