Freitag 4. Mai 2012 – Start Trekking Colca Canyon
Als letzte Aktivität des
Vortages haben wir uns eine 3tägige Tour in den Colca Canyon gebucht – notabene
eine Trekking Tour – sowie bereits das Busticket für die Weiterfahrt nach
Cusco. Zum letzteren aber später mehr! Ganz am Schluss der Buchung sagte uns
die freundliche Dame im Büro, dass wir dann am Freitag um 3.30 Uhr im Hostel
abgeholt werden. Wir waren absolut sicher, uns verhört zu haben, denn
schliesslich waren wir ja in den Ferien. Der verständnislose Blick der Dame
räumte jedoch jeden Zweifel weg, dass tatsächlich mitten in der Nacht an unsere
Türe geklopft wird. Und es kam noch schlimmer. Zum Glück packten wir all unsere
Sachen am Vorabend, reduzierten uns auf ein Trekking-Handgepäck und stellten
den Wecker auf (lächerlich) 3 Uhr! Von wegen Ferien, grummelten wir… bereits um
3.10 polterte es an unsere Türe mit der nervösen Bitte, wir sollen nun endlich
kommen! Na bravo, wir waren das erste Hostel, das angefahren wurde und darum
wurde es bei uns etwas früher. Somit leicht gestresst und ohne Haka ging’s los.
Nach und nach sammelte der Kleinbus 10 Leute auf, darunter 4 ziemlich arrogante
und schon früh morgens viel zu gesprächige Franzosen. Da es selbst in
Südamerika um diese Zeit noch dunkel ist, kann von der Fahrt nicht viel erzählt
werden, bis auf das mehr oder weniger sonore Gebrabbel der jetzt schon nervigen
Franzosen. Mit zunehmender Höhe wurde es auch immer wie frischer – das karge
Frühstück nach über 3 Stunden Fahrt, in einem winzigen Dorf war daher genau
richtig, um uns aufzuwärmen. Der nächste Stopp galt einer Klippe, bekannt für
Condor-Sichtungen. In diesem Tal erreichen diese majestätischen Vögel eine
Spannweite von rund 2.5 Meter und sie sind die absoluten Meister der
Aerodynamik. Ohne einen Flügelschlag gelingt es ihnen, sanft und lautlos durch
die Luft zu gleiten, ein fantastisches Spektakel… wohl auch darum, weil wir
wussten, die Strecke mit dem Bus geht noch weiter und vielleicht wird ja das
Trekking doch eher touristentauglich! Kurz vor Cabanaconde hielt der Bus abrupt
an, unser junger und zweifellos sehr sportlicher Guide Juan-Carlos dreht sich
mit einem breiten Lächeln zu uns um und brüllte: los geht’s! Zum selben
Zeitpunkt verabschiedeten sich die 4 Franzosen, welche sich bereits während ein
paar Stunden unbeliebt gemacht haben, da sie auf eigene Faust das Tal erkunden
wollten. Mutig, aber uns soll’s recht sein! Unsere Truppe bestand nun – neben
dem Guide – aus einem peruanischen Pärchen (Jose und dem Püppchen Erika), den
beiden viel ruhigeren und angenehmeren Franzosen Bruno und Do sowie Tämi &
Andy. Es war wirklich eine gute Truppe, auch wenn sie zuerst etwas auftauen musste.
Das Trekking startete auf 3‘400
Metern über Meer und begann mit einem Abstieg von knapp 1‘000 Metern in den
Colca Canyon. Immer wieder lächelte unser Guide und uns wurde schlagartig
bewusst, dass wir irgendwann den ganzen Mist auch wieder hoch müssen. Die
Szenerie, die sich uns bietet, ist atemberaubend. Der Canyon ist erstaunlich
grün, wohl auch, weil die Regenzeit noch nicht allzu lange her ist. Im Tal
angekommen, schlottern die Knie, die Kleider sind durchnässt von Schweiss und
für wirklich originelle Fluchwörter fehlt uns schlichtweg der Atem. Juan Carlos
beruhigt uns mit der Aussagen, es gehe nur noch eine halbe Stunde bis wir bei
unserem heutigen Tagesziel ankommen. Wenn ich unsere japsende Truppe anschaue
(mich inkludiert), finde ich dies eine ganz wunderbare Aussage. Und
tatsächlich, kurz darauf erreichen wir unser bescheidenes, aber absolut
reizvolles Lager, verzehren hungrig ein (Teil von) Alpaka und entspannen den
Rest des Nachmittags. Die mitgeführten Würfel vertreiben Tämi und mir die Zeit wie
im Flug und wir spielen Yatze wie die Verrückten. Von unserem Kreischen
angelockt, interessiert sich auch die Peruanische und die Französische
Delegation für dieses offenbar amüsante Spiel. Nach dem Abendessen machen wir
uns multikulturell daran, die Regeln zu erklären. In Berndeutsch, Französisch,
Englisch und Spanisch klingt der Yatze-Schrei ähnlich und so verbringen wir
wirklich einen lustigen Abend.
Samstag, 5. Mai 2012 – Höhenwanderung oder was?
Heute ist der Weckruf erst um
7.30 und wir sind offensichtlich alle enorm froh darüber. Der frühe Start am
Vortag, der doch intensive Abstieg zum Colca River sowie die Höhen und Tiefen
des Yatze Spiels zeichnen unsere Gesichter und machen sich in unseren Knochen
spürbar. Juan Carlos besänftigt uns, indem er uns heute einen gemütlichen Tag
verspricht, mit einer sanften Höhenwanderung und einem Sprung in einen
herrlichen Pool am Nachmittag. Motiviert durch diese Aussagen marschieren wir
los. Höhenwanderung? Ohne nennenswerte Auf- und Abstiege? Irgendwie erinnert
mich das stark an meine Jugend und die Familienwanderungen. Da bediente sich
mein Vater stets derselben Terminologie um uns (allen voran die Mutter)
sanftmütig zu stimmen – leider kam es dann doch meistens anders. Nun, schon
dort wurde mir klar, es ist immer eine Interpretationsfrage. Und es war auch im
Colca Canyon nicht anders. Bei glühender Sonne auf dieser Höhe ist der kleinste
Anstieg beschwerlich und von denen gab es – zumindest in unserer Interpretation
– reichlich. Aber da wir uns keine Blösse geben wollten, stapften wir tropfend
vor Schweiss weiter.
Die Gegend ist nach wie vor
einzigartig. Dieses Tal erreicht man nur zu Fuss oder mit einem Esel, Maultier
oder Pferd. Die wenigen Dörfer mit kaum mehr als 80 Einwohner leben weitgehend
von dem, was ihnen das Tal bietet und natürlich vom Tourismus. Dennoch wird uns
hier einmal mehr eine ganz andere Art gezeigt, wie ein Leben funktionieren
kann, weit weg von Hektik, Technologie, Stress und Druck. Wir sind begeistert,
für einige Momente hier eintauchen zu dürfen.
In den frühen Nachmittagsstunden
erreichen wir Siedlung el Paraiso, welche wie eine Oase in eine Schlaufe des
Flusses eingebettet ist. Natürlich ist dies primär für die Touristen, denn die
Siedlung besteht nur aus kleinen Lodges, wo die Bungalows mit Kerzen beleuchtet
werden. Unsere Lodge hat einen Pool, der jeden Tag neu mit Wasser aus dem Colca
River gefüllt wird. Bei innerlich gefühlten 50 Grad, bratender Sonne und 4
Stunden Marsch in den Beinen, ist der Sprung in das 19 Grad warme Wasser eine
unbezahlbare Erfrischung. Wir geniessen den Nachmittag mit entspanntem Lesen
und einem Volleyball-Spiel mit den Lodge-Angestellten, welches uns viel über
die Peruanische Mentalität verraten hat J!
Nach dem Abendessen schaut die ganze Truppe erwartungsvoll in die
Schweizer-Ecke… und natürlich spielen wir wiederum zwei Runden Yatze bei
Kerzenschein. Und obwohl ich der „Contador“ bin, kann ich wohl am besten
Kopfrechnen, bin jedoch leider an beiden Abenden der miserabelste Yatze
Spieler. Janu, dafür konnte meine würfelsichere Ehefrau den Nationalstolz
aufrecht erhalten und rangierte stets auf den vorderen Plätzen.
Sonntag, 6. Mai 2012 – 1‘150 Höhenmeter vor dem Frühstück
Es kam
wie es kommen musste. Um 4.45 Uhr klingelte unser Handy-Wecker und teilte uns
viel zu direkt mit, dass jetzt der happigste Teil auf uns wartet, der Aufstieg
zurück nach Cabanaconde. Tämi und ich waren pünktlich um 5 Uhr im Haupthaus und
freuten uns auf das kräftigende Frühstück. Leider hatten wir da etwas falsch
verstanden… das Frühstück gibt’s erst nach dem Aufstieg… murrend, wie es sonst
wohl nur Maultiere und Esel können, gingen wir hurtig zurück in unser Bungalow,
packten unsere sieben Sachen, setzten die Stirnlampe auf und machten uns an den
beschwerlichen Aufstieg zurück auf 3‘400 Meter. Schon auf den ersten Metern
beginnt man zu schnauben, der Schweiss ist ein ständiger Begleiter auf dem Weg
nach oben und durchtränkt langsam aber sicher die komplette Kleidung. Zum Glück
ist die Sonne noch nicht aufgegangen. Kaum auszudenken, wie dies noch bei
brütender Hitze zu bewältigen wäre. Dennoch, wir setzen einen Fuss vor den
anderen, reden kaum miteinander, machen ab und an einen kurzen Stopp um einen
Schluck Wasser zu trinken, bevor der Guide (natürlich nicht schwitzend)
lächelnd sagt: vamos chicos! Ach, wie habe ich ihn dafür temporär gehasst….
Knapp 3 Stunden quälten wir uns – immer noch ohne Frühstück im Magen – diesen
Berg hinauf, im Zick Zack windend und der Maultierscheisse ausweichend… doch
irgendwann, beinahe am Ende der Kräfte und auch der Motivation, steht man bei
den drei Bäumen, die man schon vom Tal aus winzig auf der Krete sah und man hat
es geschafft! Als Bezwinger dieses Aufstiegs fühlt man sich heldenhaft und
grossartig, wie weggeblasen (für einen Moment) sind die Beschwerden in den
Waden und die Blasen an den Füssen und die schweissnasse Kleidung ist ein Indiz
für wahre Leistung! Gleichzeitig hat man natürlich nur ein missbilligendes
Lächeln für diese übrig, die sich für ein Aufgeld auf einem Maultier den Berg
haben hochtraben lassen (von unserer Gruppe war dies lediglich Püppchen Erika,
die sich oben über das schmerzende Po beschwert hat…). Oben angekommen – und
sobald wir wieder Atem hatten – gingen wir zum Stand einer geschäftstüchtigen
Peruanerin, die genau an der Krete Wasser, isotonische Getränke und Schoggi
anbot. Wir stürzen uns auf je auf eine Banane und belohnten uns zusätzlich mit
einem Snickers, welches wir uns teilten. Diese Kombination nach diesem Aufstieg
erhielt von uns das Prädikat: Best Snickers ever!!! Unbeschreiblich. Nachdem
wir uns etwas erholt hatten und gegenseitig gratulierten hatten, ging unser Weg
weiter ins Dorf Cabanaconde wo es dann Frühstück gab und wir auch wieder vom
Bus abgeholt wurden. Auf dem Rückweg machten wir noch diverse Stopps, die uns
meist ziemlich unnütz vorkamen. Einzig der Halt bei den Hot Springs war wirklich
absolut herrlich. Für 15 Soles konnten wir in die entspannende Wärme abtauchen
und die Strapazen etwas vergessen. Gleichzeitig war es auch endlich mal wieder
eine anständige Dusche, die in den Vortagen so nicht immer gegeben war.
Gegen Abend waren wir zurück in Arequipa und
hatten ja bereits unser Busticket nach Cusco gebucht. Wir freuten uns auf diese
Fahrt, weil mit Cruz del Sur und den Suite Plätzen 2 und 3 sollen wir die mit
Abstand beste Strassentransportmöglichkeit gebucht haben, die Peru zu bieten
hat. Aha, dachten wir, na gut, wir lassen uns mal überraschen. Das Check In
verlief wunderbar und pünktlich konnten wir auf unseren Kunstledersesseln
platznehmen. Die Fahrt begann und schon auf den ersten Metern stellte sich
heraus, dass diese Fahrt kein Zuckerschlecken wird. Denn da wir die vordersten
Plätze hatten, war die Beinfreiheit gegen vorne limitiert. Schon bald pochten
die sonst schon geschundenen Waden… unsere Plätze waren unmittelbar neben der
Toilette, sodass nicht nur das Öffnen und Schliessen der Türe uns jeweils
unsanft aus dem Dämmerschlaf riss… nein, jeder zweite, der zurück in die Kabine
kam, verlor das Gleichgewicht und hielt sich reflexartig entweder an meinem
Gesicht oder meinem Arm fest. Wunderbar… zudem hatte der Busfahrer (beide, denn
auf 10 Stunden Fahrt braucht’s zwei davon) irgendwie zu viele Rambo Filme
gesehen und verhielt sich in seinem Gefährt wie in einem Rennauto… nach 10
Stunden Fahrt kamen wir mit Schlafmanko, Gelenkschmerzen und etwas
Angstschweiss in Cusco an. Es war 6 Uhr morgens und ohne lang zu fackeln nahmen
wir uns ein etwas teureres Hotel und schalten unvermindert ein bis zwei
Erholungstage ein, bevor es dann weiter geht Richtung Machu Picchu.
Liebe Tämi, Lieber Andy
AntwortenLöschenMit grossem Interesse verfolge ich (und auch Mara) Eure Reise im Internet. Der Link zu Eurem Blog ist gespeichert und wird täglich mindestens einmal angeklickt. Da bekommt man direkt Fernweh. Vielen Dank, dass Ihr uns so an Eurer Reise teilhaben lässt. Ein Kompliment auch an den fleissigen Schreiberling für die stets sehr amüsanten und interessanten Berichte, welche mir immer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern.
Andy für Dich hoffe ich, dass die ungeschickten Fahrgäste auf dem Weg nach Cusco nach Verrichtung ihres "Geschäftes" und vor dem Abstützen auf Deinem Gesicht jeweils feinsäuberlich die Hände gewaschen haben. Alles andere wäre doch sehr unappetitlich. ;-)
Wir wünschen Euch weiterhin eine wunderschöne Zeit in Südamerika mit vielen unvergesslichen Momenten. Geniesst es und passt auf Euch auf.
Beste Grüsse
Patrick & Mara